[Rezension] Chris Meyer – Der Zoomkiller

Kennt ihr das? Ihr seid in einem Online-Meeting und fühlt euch beobachtet? Oder hattet eine Stimme im Meeting, die da nicht hingehört? Was, wenn sich jemand ungefugtes Zugriff zu einem Meeting verschafft? Und vor deinen Augen deinen Kollegen vor laufender Kamera umbringt?

Tom Bachmann muss hier die Ermittlungen aufnehmen und einen Täter verfolgen, der es wissen will: während Zoom-Meetings greift er Menschen an und foltert sie auf grausamste Weise. Die anderen Teilnehmer müssen zusehen, sonst sind sie die nächsten Opfer. Ihnen bleibt keine andere Möglichkeit, denn die Teilnehmer haben keine Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen. Die Software auf den Handys, Tablets und Rechnern ist blockiert. So muss Bachmann jemand finden, der gleichermaßen IT-Profi ist und so eiskalt ist, Menschen so perfide umzubringen.

Bachmann macht sich nicht nur auf die Jagd nach einem cleveren Täter, sondern muss sich erbeut auch seiner Vergangenheit stellen. So erfahren wir immer wieder spannende Details über seine Vergangenheit.

Puh, dieses Buch war eine harte Nuss. Allein der Gedanke, dass sich jemand in ein Meeting einwählen kann und die Software steuern kann, ohne dass man selbst einfreifen kann, ist sehr beklemmend. Zumal die Folterungsmaßnahmen und Morde sehr detailliert beschreibt. Dieser Thriller ist super spannend. Gerade innder Pandemiezeit, wo sehr viel online stattfand, haben Onlinemeetings nochmal an Bedeutung hinzugewonnen. So bekommt dieses Thema eine zusätzliche gewisse Schwere hinzu. Ich hab es durchgesuchtet, warne aber trotz Spannung: hier geht es blutig zu, die Folterungen der Opfer sind nichts für schwache Nerven.

Übrigens ist dieses Buch der zweite Teil der Tom Bachmann Reihe von Chris Meyer. Auch wenn im ersten Teil „Blutkünstler“ die Geschichte von Tom erzählt wird, kann der zweite Teil unabhängig gelesen werden. Hier werden einige Details von Toms Vergangenheit erwähnt, wenn auch nicht in der Detailtiefe wie im ersten Teil.

[Rezension] Chris Meyer – Der Blutkünstler

Es ist eine der Fragen, die schwer zu beantworten sind: was ist Kunst? Jeder definiert sie anders, da Geschmäcker unterschiedlich sind. Aber in diesem Fall sind sich wohl alle einig: Kunst mit Menschenbluh gehört nicht zur künstlerischen Freiheit. So muss Tom Bachmann in seinem ersten Fall den Blutkünstler jagen. Der nämlich ermordet seine Opfer und setzt sie „kunstvoll“ in Szene. Die Jagd beginnt und Bachmann muss sich in ein neues Team einfügen, was für ihn definitiv nicht einfach ist. Er ist eher der Typ Einzelkämpfer, eckt an, und behindert dadurch eher das Ermittlungsteam als dass er es unterstützt. Aber auch er muss erkennen: so einen Täter wie den Blutkünstler jagt man nicht mal eben allein. Das kann nur im Team gelingen. Und gerade die Aufstellung als Team ist bei dem Showdown und Ende besonders wichtig.

Dieses Buch ist ein absolut krasser Anfang einer Reihe. Chris Meyer spart nicht an Details bezüglich der Grausamkeiten, die den Opfern widerfahren. Ausführlich beschreibt er die Taten.

Was den Ermittler Tom Bachmann betrifft: dieser ist ein typischer Eigenbrötler. Erst will er mit dem Ermittlungsteam nichts zu tun haben, ist verschlossen, und öffnet sich erst, als er muss. Seine Geschichte wird parallel zu den Ermittlungsarbeiten erzählt und erklärt, warum er so verschlossen ist.

Ein Auftakt einer Ermittlungsreihe, die unter die Haut geht. Jedoch nichts für schwache Nerven!

[Rezension] Kristian Corfixen – Die Krankenschwester

Wer schonmal im Krankenhaus war, weiß, dass das Team aus Pflegepersonal und Ärzten alles geben, um die Patienten wieder gesund zu bekommen. Das sollte auch der Normalfall sein. Und doch kommen immer mal wieder Fälle ans Tageslicht, bei denen das so nicht ist. Hier wird von der Krankenschwester Christina erzählt. Diese fängt im dänischen Krankenhaus Nykøbing Falster an. Am Anfang läuft alles normal und Christina wirkt integriert ins Team. Das bleibt aber nicht so. Immer wieder häufen sich Fälle von Patienten, die auf dem Weg der Besserung sind, aber dann unerwartet und plötzlich sterben. Bei der Notversorgung ist immer Christina schnell zur stelle, obwohl sie eigentlich anderes hätte tun sollen, und gar nicht so schnell bereit stellen können. Der Verdacht kann aber nur bestätigt werden, wenn man dafür auch Beweise hat. Und so sammelt eine Kollegin nach für nach Beweise, teilt den Verdacht mit Ärzten und Kolleginnen, und irgendwann ist klar: Christina nimmt ihren Job als Krankenschwester nicht in dem Umfang ernst, wie man es erwartet. Sie handelt im eigenen Ermessen, stiehlt Medikamente, verabreicht die falsche Dosis an Patienten und nimmt damit Menschen das Leben.

Dieses Buch ist sehr erschreckend. Es ist ein Tatsachenbericht, in der Stück für Stück das Puzzle zusammen gesetzt wird. Ob aus der Sicht der Kollegen, oder aus der Sicht von den Berichterstattern: es ist gruselig und spannend zugleich. Es hinterlässt durchaus eine Gänsehaut, wie machtlos man gegenüber dem falschen Pflegepersonal ist, und wie toll so viele Menschen ihre Arbeit machen. So wird der Ruf der korrekt arbeitenden Pflegegruppe in den Ruf gezogen, die es schon schwer genug haben. Und doch macht es – mir jedenfalls – einem wieder bewusst, wie wichtig dieser Berufszweig ist. Umso wichtiger ist es, dass darauf geachtet wird, wie ordentlich im Pflegewesen gearbeitet wird. Denn es kann so viel passieren.

Die Krankenschwester ist ein Tatsachenbericht. Es ist nichts für schwache Nerven, da hier Menschen Opfer sind, es geht ums Ganze, um Tod, Verletzung, Verlust und schiere Machtlosigkeit. Und doch finde ich dieses Buch sehr wichtig, da die Dunkelziffer sicherlich höher sein dürfte, Menschen wie Christina im Kollegenkreis zu haben. Gut, dass ihr das Handwerk gelegt wurde. Spannend und gruselig, aber sehr lesenswert.

[Rezension] Kati Naumann – Niemals den roten Knopf drücken oder die Rakete geht los

Egon und sein Freund Jojo sind auf einem Schulausflug zu einer Mühle. Dort entdecken sie Kornkreise in den Felder. Die beiden sind sich schnell sicher: das müssen Außerirdische gewesen sein. Aber wie nimmt man mit Außerirdischen Kontakt auf? Da kann ihnen Egons Opa helfen. Der hat nämlich ganz viele Bücher zur Astronomie. Und so planen Egon, Jojo und Opa die Kontaktaufnahme mit den Außerirdischen. Sie basteln, werkeln und lassen eine Rakete steigen. Und können damit sogar die Nachbarn retten.

Dieses Hörbuch ist super gestaltet. Die Sprecherin Tanja Bunke hat das Hörbuch sehr aktiv vorgetragen, sehr lustig und hat den Hörer von der ersten Minute an mitgenommen. Ich hab oft grinsen müssen.

Die Protagonisten sind sehr sympathisch. Der Großvater gestaltet mit einfachen Mitteln seinem Enkel und dessen Freund ein tolles Abenteuer, das ihm selbst auch Spaß zu machen scheint. Es ist für mich ein Hörbuch, das einlädt, auch mit wenigen Dingen ein großes Abenteuer erleben zu können. Es ist lustig und spannend zugleich. Man kann sich sehr gut mit Egon identifizieren. Der ist nämlich sehr neugierig und selbstbewusst im Gegenzug seines besten Freundes Jojo, der eher schüchtern ist (was vielleicht auch an seiner Mutter liegt). Mir hat gut gefallen, dass der Großvater seinen Enkel in dem bestärkt, was er tut und ihn mit dem Spiel fördert und ihn begleitet. Ein kinngerechtes Abenteuer auch für Erwachsene.

[Rezension] Lena Johannson – Zwischen den Meeren

Kiel, Ende des 19. Jahrhunderts: es steht eine große Veränderung an. Es soll der Nord-Ostsee-Kanal gebaut werden. Viele Menschen werden dafür gebraucht: Ob Planer, Geldgeber oder Arbeiter. Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Um Land, um Arbeitsplätze und um Ideen.

In dieses Setting setzt uns die Autorin Lena Johansson. Zwischen den Meeren ist eine Geschichte über vier junge Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Zum einen ist da Stine, deren Vater ein Kolonialwarenladen hat. Doch die Zeiten ändern sich, und Stines Vater baut den Laden aus, um beim Bau des Kanals mithalten zu können. Er will unbedingt zu einem der Baustellenversorger zu werden. Es ist aber auch die Geschichte von Mimi. Deren Vater hat schon einst Schleusen geplant und gezeichnet. Doch mit dem Nord-Ostseekanal will er nichts zu tun haben und so nimmt Mimi das in die Hand, und überreicht heimlich die Pläne dem Planungskomitee.

Das Hörbuch befasst sich mit den Anfängen des Nord-Ostseekanals. Hier finden die ersten Planungsgespräche statt, und die ersten Unteraufträge werden vergeben. Jeder muss seinen Platz finden. Dieses Bauvorhaben kann nicht ohne Frauen funktionieren. Selbst wenn sie nicht direkt an den Bauarbeiten beteiligt sind: sie können dennoch ihren Teil am Ganzen leisten. So erkämpfen sich Mimi, Stine und Regina ihre ersten kleinen Teilerfolge. Doch sie sind längst nicht so weit, wie sie gerne wären.

„Zwischen den Meeren“ ist der erste Teil einer Reihe über den Nord-Ostsee-Kanal, dessen Ausmaße in der damaligen Zeit nichts in dem nachsteht, was heute gebaut wird. Es geht um Naturschutz, um Landschaftsveränderungen, um Nachhaltigkeit, aber auch um die Rolle der Menschen in so einem großen Projekt. Korruption ist damals wie heute an der Tagesordnung und es wird um jedes Stücken Geld und Land gekämpft. Hier finden sich die vier Frauen wieder: jede handelt aus den unterschiedlichsten Motiven. Jede möchte sich, aber auch die Familie weiter bringen, und muss dafür das ein oder andere Opfer bringen.

Svantje Rascher war einer der Hauptgründe, warum ich dieses Hörbuch zu Ende gehört habe. Mir hat bei der Sprecherin sehr gut gefallen, dass sie auch die regionale Aussprache betont hat. Leider habe ich bei den vier Frauen irgendwann den Überblick verloren, wer zu wem gehört. Stine und Mimi sind mir hängen geblieben, Regina rückte für mich schon schnell an den Rand und Sanne fügte sich irgendwo bei Stine und Mimi ein. Es hätte für mein Empfinden ein Erzählstrang der Damen weniger gut getan, und der Geschichte besser folgen zu können. Es passierte mir immer mal wieder, dass ich ich nicht mehr folgen konnte, welche der Damen nun dran war.

Auch wenn die Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals eine spannende ist, ich muss für mich sagen, dass dies ein bisschen zu seicht für mich persönlich war. Dennoch: wer auf ein bisschen Liebe mit Geschichte steht, wird hier perfekt fündig werden.

[Rezension] Vera Buck – Wolfskinder

Im abgelegenen Dorf Jakobsleiter kennt jeder jeden. Die kleine Dorfgemeinschaft ist sehr eng zusammen gewachsen. Auch die Lehrerin an der Dorfschule kennt ihre Schüler ganz genau. Ausser den zwei Schülern Jesse und Rebekka, die oben auf dem Berg wohnen in einer Täufergemeinde. Diese lebt noch zurückgezogener als die Dorfgemeinschaft. Neue Lebensweisen sind nicht erwünscht, und die Regeln, in der Täufergemeinde aufgenommen zu werden bzw. leben zu dürfen, sind streng. Denn es geht ums Überleben.

Als Rebekka eines Tages verschwindet, will Jesse nach ihr suchen. Denn er glaubt, dass sie nicht freiwillig gegangen ist. Doch er ist nicht alleine auf der Suche nach der verschwundenen Rebekka. Auch Smilla ist auf der Suche nach Juli, ihrer Freundin aus Schulzeiten. Juli ist ebenso spurlos verschwunden. Und auf der Suche werden immer mehr Opfer gefunden. Die Täter: sind mitten drin. Smilla kann hier unerwartet ein gut gehütetes Geheimnis aufdecken, das weite Kreise zieht. Und dem Hörer es eiskalt den Rücken runter laufen lässt.

Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen. Durch die verschiedenen Stimmen der Erzählperspektiven konnte man der Geschichte sehr gut folgen. Allein die Erzählperspektiven von Jesse und Edith sind sehr einprägsam geschrieben. Wolfskinder erzählt eine Geschichte eines Rudels, ja einer Dorfgemeinschaft, die still vor sich hinlebt, und doch Aufsehen erregt. Es wird viel von die da oben und die da unten gesprochen. Die Erzählperspektive von Edith hat eine Beobachterrolle, und kann durch die Beobachtungsgabe ein Stück weit die Philosophie der Dorfgemeinschaft erklären. Das Dorf ist eine Art Rudel, in der jeder seine Rolle tragen muss. Reißt einer aus, hat dies Konsequenzen für alle. Fehlverhalten wird hart bestraft.

In dieser Dorfgemeinschaft wird vieles verschwiegen, verdeckt. Erst als von außen Menschen in die Gemeinschaft eindringen, bröckelt die Fassade. Genau das, was die Gemeinschaft versucht hat, zu vermeiden. Und doch ist der Blickwinkel, der auf der verschworenen und gläubigen Gemeinschaft liegt, nicht der einzige Fokus. Es ist vielmehr das zwischenmenschliche Verhalten. Wie geht man mit vermeintlichen Außenseitern um, und wie unterschiedlich ist die Definition davon. Unterschiedlichste Weltanschauungen führen dazu, jemanden auszugrenzen, und die Verhaltensmuster gegen das, was nicht sein soll, werden unangenehm. Welchem Wolfsrudel auch immer man angehört, die Gemeinschaft hält zusammen. Um jeden Preis.

Aber auch innerhalb der Gemeinschaft wird gegen ein Labyrinth von Gefühlen gearbeitet. Jeder, der ausbrechen will, wird versucht, gefangen zu halten. Die Strukturen einer solchen starken Gemeinschaft können wie ein dunkles Labyrinth wirken, der man kaum etwas entgegen zu setzen hat. Hier ist man auf Hilfe von außen angewiesen, die wie ein dünnes Seil wirkt, das jeden Moment reissen kann.

Dieses Buch ist ein Buch über innere Konflikte, innere Strukturen, die schwer aufzubrechen sind. Selbst wenn man sie von außen bricht, muss jeder eine neue Position im veränderten Wolfsrudel finden. Das hinterlässt Spuren. Bei den Protagonisten, und bei mir als Leser. Es ist ein Buch, das nachwirken musste und mich aufgewühlt hat.

Die Umsetzung als Hörbuch ist dem Argon Verlag wieder sehr gut gelungen. Die unterschiedlichen Sprecher:innen haben die Protagonisten plastisch wirken lassen. Gerade Edith und Jesse sind mir stark hängen geblieben. Jesse, der nicht weiß, auf welche Seite er gehört. Und Edith, die als Wolfskind fast schon heraussticht, und die eine sehr schnelle Auffassungsgabe hat. Gerade Edith hat für mich eine zentrale Rolle gespielt. Sie wusste für mich gefühlt immer, wie alles zusammen hängt, obwohl sie sicherlich aufgrund ihres Alters nicht alles erfassen konnte. Gelungenes Werk!

[Rezension] Jana Paradigi – Purpurstaub Magie

Serafina Nightingale ist genervt. Nicht nur, dass sie mit ihrer Familie nun weg von ihrer coolen Oma in die Großstadt ziehen musste, nein: ihre Oma ist sterbenskrank. Das ist für sie zuviel. Sie fühlt sich machtlos, denn sie kann weder gegen den Umzug noch was gegen die Krankheit ihrer Oma was tun. Aus Frust darüber türmt sie eines Nachts und geht raus in die Natur. Dort findet sie eine Portion Purpurstaub, die sie direkt nach Pipinea katapultiert. Und Serafina ist perplex: die Geschichten ihrer Oma scheinen wahr zu sein. Oma hatte immer von Pipineas Wesen erzählt. Von Kobolden, Elfen, Wipfeln und Spiegelfaltern. In Pipinea sieht sich Serafina dem nächsten Abenteuer entgegen gestellt: Die Feenkönigin ist verschwunden, und nun hängt es an Serafina, den Frieden in Pipinea herzustellen.

Man mag nun denken: eine sterbende Oma, ein Umzug und dann noch ein Feenreich zu retten ist ganz schön viel für ein elfjähriges Mädchen. Ja, es hat seine Tücken. Und doch macht gerade diese Situation ganz viel mit Serafina. Denn ihre Oma hat ihr mit Pipinea einen Rettungsanker gegeben, mit dem Serafina wachsen kann. Sie lernt in Pipinea, wie sie mit Problemen umgehen kann, sie erfährt, dass sie nicht alleine mit ihrem Problemen ist. Jeder geht mit Problemen anders um, so auch Sarafinas Eltern und ihr Bruder. Jeder hat seinen eigenen Weg und ist doch nicht alleine mit den Problemen. So können einem sehr schnell Flügel wachsen, mit denen man auch Probleme lösen kann und dann über ihnen stehen kann.
Mir hat sehr gut die Wandlung von Serafina gefallen, aber auch die Botschaft, die hinter dem Buch steht. Manchmal muss man erst ein Stückchen alleine gehen, um dann entscheiden zu können, dass man auch mit anderen Menschen über sein Problem reden kann. Ob Familie oder Freunde: es gibt Anlaufpunkte, um mit jemanden über seine Probleme reden zu können, und schwierige Situationen zu verarbeiten.

Die Welt von Pininea ist so schön bunt gestaltet, ist lebhaft gestaltet. Und manchmal braucht es nur ein bisschen Purpurstaub, um Magie zu verbreiten. Ich finde, das Thema Hilfe annehmen ist gut aufbereitet, und somit ist das Buch von mir wärmstens empfohlen.

[Rezension] Catherine R. Striker – Die verlorene Erinnerung

Als Zauberer und Mitglied der gehobenen Gesellschaft hat James Gremory keine Sorgen und Wünsche offen. Er lebt zu seiner Zeit im Prinzip im Luxus. Ob Gesundheitsversorgung, gutes Essen, gute Gesellschaft: im fehlt es an nichts. An seiner Verlobungsfeier soll er mit seinem Vater eine zauberkünstlerische Darbietung vorführen. Als sein Vater ihn in die Vergangenheit reisen lässt, ist die Aufregung groß, denn James soll erst nach einer Stunde nach der Vorführung wieder auftauchen. Geht das Experiment gut?

In der vermeintlich kurzen Zeit, die James in der aktuellen Zeit weg ist, erlebt er in der anderen Zeitebene viele Tage in einer Zeitkapsel, die viel länger geht als nur die eine Stunde. Dort trifft er auf eine Version seines alten Ichs, das genauso abgestumpft ist wie die zukünftige Version von ihm. Denn da er alles hat, ist ihm scheinbar auch alles egal. Er weiß nicht mehr, wie seine ganzen Lehrer hießen, er vergisst wichtige Ereignisse und nimmt auch nicht Teil am Schicksal seines Personals. Doch das ändert sich, als er Einblicke in die anderen Strukturen von Personal, Einwohnern seines Heimatortes erhält. Denn für andere ist eine bezahlbare Gesundheitsversorgung nicht selbstverständlich. Und so kommt, was kommen muss: er verändert sich, und verändert damit auch seine Zukunft.

Dieses Hörbuch ist sehr schön gestaltet worden. Béla Emanuel Bure trägt diese Geschichte wundervoll vor, ruhig und besonnen. Es ist keine Hektik vorhanden, wirkt aber auch alles andere als langweilig.

Mir hat die Stimmung des Buches sehr gut gefallen. Es ist nie zu spät für Veränderung. Die Geschichte um James Gremory beweist mal wieder, dass alles, was man tut, Auswirkungen hat. Auf Zeit, auf seine Umgebung, auf andere Menschen. Und wir können uns selbst ändern, und damit positiven Einfluss auf andere Menschen nehmen. Und sogar vielleicht inspirierend auf andere wirken, die dann auch den Mut aufbringen, sich zu ändern. Wer weiß, wie sich die Welt verändert, wenn man doch mal anders abbiegt als erwartet.

Eine wunderbare Hörempfehlung!

[Rezension] V. E. Schwab – Gallant

Olivia Prior ist stumm. Sie fühlt sich dadurch sehr ausgegrenzt, weil sie – abgesehen vom geschriebenen Wort – kaum mit anderen Menschen kommunizieren kann. Vielmehr wird über sie statt mit ihr geredet. So ist sie auch in ihrem Waisenhaus ausgegrenzt. So ist sie eher froh, ja fast schon erschrocken, als sie einen Brief von ihrem Onkel bekommt, dass sie nach Gallant kommen soll. Erst recht überrascht ist sie, als sie erfährt, dass sie doch noch Familie hat.

Ihr Cousin Matthew begrüßt sie leider nicht so herzlich, wie sie sich es gewünscht hätte. Stattdessen stößt sie auf harte Ablehnung. Und doch kann sie in Gallant bleiben. Dort soll sie wenigstens helfen, das Haus in Schuss zu halten. Die Mauern müssen ständig ausgebessert werden, der Garten von toten Rosen und Unkraut befreit werden. Langsam bröckelt die Fassade von Matthew und den anderen Hausbewohnern. Olivia kann in dem Haus viel mehr über ihre Familie, besonders ihre Mutter herausfinden. Diese hat nämlich ein Tagebuch hinterlassen, das die Welt von Gallant, aber auch die Rolle der Familie erklärt. Welche Rolle spielen die Ghule, oder andere fiese Gestalten in dieser Familiengeschichte?

Zugegeben, das Setting, in dem dieses Buch spielt, ist unschlagbar. Ein Haus und ein Grundstück, dessen Verlassen unweigerlich zum Tod führt, klingt toll. Es ist dunkel, mystisch, für mich tauchte ein viktorianisches Haus auf. Die Ghule, die Angestellten, alles wirkte für mich wunderbar gruselig, und ergab ein tolles Gesamtbild. Und doch: gefühlt blieben die Beziehung zwischen den Protagonisten etwas auf der Strecke. So ganz wollte mir da der Funke nicht überspringen. Zwar wird hier auf die Familienbeziehung eingegangen, und doch hätte es genau hier mehr Tiefe gebraucht, wie die Zusammenhänge genauer sind. Es fehlte mir hier mehr Emotionen, aber auch mehr der rote Faden, wie alles zusammenhängt.

Ebenso fand ich etwas die Zwischenkapitel aus dem Tagebuch der Mutter auf Dauer etwas störend. Die Wiederholung des Rufens der Mutter nach Olivia (Olivia! Olivia! Olivia!) war für mein Empfinden an mancher Stelle doch zuviel.

Gallant ist eine Geschichte, die mich grundsätzlich gefangen genommen hat, der es an mancher Stelle an Tiefe gefehlt hat, und doch so viel Potential hat.

Übrigens finde ich das deutsche Cover wirklich klasse. Gerade für das Hörbuch finde ich die Gestaltung wirklich sehr gelungen. Die Auswahl der Hörbuchsprecherin selbst (Jana Kozewa) fand ich gelungen, denn sie hat in der angemessenen Geschwindigkeit und Ruhe das Buch vorgetragen.

[Rezension] Sarah Pfitzner – Martin Luther King (Der Traum von einer anderen Welt)

Wer kennt diesen Namen nicht: Martin Luther King. Ein Bürgerrechtler, der für die Rechte der PoC (People of Color) eingestanden ist. Der viel erreicht hat in einer Welt, in der noch viel erreicht werden muss. Denn Rassismus gibt es noch viel zu viel.

Der Pressereferent Harcourt Klinefelter hat an der Seite Martin Luther Kings gearbeitet und Kings Reden aufgezeichnet. So erzählt er uns die Geschichte, wie u. a. Martin seine berühmteste Rede am Washingtoner Kapitol gehalten hat. Was hat diesen berühmten Bürgerrechtler bewegt? Was ist ihm bei seiner Arbeit widerfahren? Und was war sein Credo?

Das Hörbuch ist mit Liveaufnahmen von Reden untermalt, die bei mir Gänsehaut hervorgerufen haben. Noch immer ist Rassismus leider ein Thema, das uns im Alltag begleitet. Noch ist viel Arbeit zu leisten, um dagegen anzukämpfen. Der Kampf für die Rechte von PoC führt immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Deswegen finde ich dieses Hörbuch sehr wichtig: es muss weiterhin daran gearbeitet werden, dass Rassismus keinen Platz mehr findet.

Auch bei diesem Hörbuch gilt: Verständlich und spannend aufbereitet, so dass Groß und Klein einen guten Einstieg finden.