[Rezension] Jan Cole – Was du nicht erwartest

Was kann man von einem Buch erwarten, welches den Titel „Was du nicht erwartest“ trägt? Ich finde, sehr viel!

In diesem wundervollen Buch treffen wir auf Nik und Maike. Nik ist Autist, und trifft auf Stella. Da er sich nicht sicher ist, ob er verliebt ist, macht er sich einen Fragebogen. Den möchte er gerne mit Stella ausfüllen und macht sich auf die Suche nach Stella. Dafür begibt er sich an den Bahnhof, an dem er Stella das letzte Mal gesehen hat, und übernachtet dort. Seiner Mutter bereitet Niks unangemeldetes Verschwinden unglaublich viele Sorgen. Da sie keinen anderen Ausweg sieht, wie sie einen gemeinsamen Weg mit Nik findet, mit seinem Autismus umzugehen, bringt sie Nik in eine Klinik. Nik versteht nicht ganz, was er dort soll. Schließlich geht es ihm ja gut, und eigentlich will er ja nur seine Ruhe.

Die Frage, was sie in der Klinik soll, stellt sich auch Maike. Sie sieht in ihrer Krankheit Anorexie keinen Grund, weggesperrt zu werden. Essen ist für sie eine Qual, und eher Ballast als alles andere. In der Klinik freundet sie sich mit Nik an, der zwar nicht versteht, warum sie nichts isst. Seine Fragen sind direkt, und doch gehen sie ihr nicht so auf die Nerven, wie es die Fragen der anderen tun. Doch beiden geht die Klinik und die Behandlungen schnell auf den imaginären Keks und beide planen gemeinsam die Flucht, was ihnen auch gelingt. Beide verbringen viel Zeit miteinander, und müssen lernen, ihre Eigenheiten kennen zu lernen, aber auch zu verstehen und damit umzugehen. Nik versteht zwar nicht, wie man nichts essen kann, aber ihm ist es erstmal egal, solange sie ihm hilft, sein Ziel zu erreichen. Erst als Maike zusammen bricht, erkennt Nik, dass nicht nur sie Hilfe braucht. Und diese von ganz anderer Stelle bekommt als er erwartet.

„Was du nicht erwartest“ hat meine Erwartungen komplett übertroffen. Ja, man fragt sich durchaus als Außenstehender, warum Maike nichts isst. Oder Nik sich nicht auf andre Dinge einstellen kann. Aber man lernt soviel, dass gewisse Dinge gar nicht so einfach sind, wie man meint. Und dass man Verhaltensänderungen gar nicht so einfach ändern kann, merkt man schon an einfacheren Dingen an sich selbst. Es hat mir in sofern die Augen geöffnet, dass man sich selber an der Nase packen muss, wenn man über andere Urteilt, und nur das halbe Bild hat, warum sich jemand verhält, wie die Person gegenüber sich verhält.

Der Autor Jan Cole hat sich selbst mit in die Geschichte eingebaut. Zuerst fand ich das etwas seltsam: Warum macht man das? Ganz einfach: Weil es einfach grandios passt. Die Geschichte um Maike und Nik hätte nur halb so viel Sinn und vor allem Spaß gemacht, wenn Jan sich selbst nicht mit eingebaut hätte. Wie viele Bücher und Autoren haben die Welt verändert? Oft reden wir hier von großen Autoren wie Tolkien, King, usw. Die haben viele Leben nachhaltig beeinflusst und spätere literarische Werke beeinflusst. Warum solle auch im Kleinen nicht ein Autor das Leben von zwei Menschen nachhaltig verändern?

Literatur kann so viel: über Themen aufklären, die wichtig sind. Wie gehen wir mit unserem Umfeld um, welche Themen brauchen mehr Raum und gehören in den Fokus gestellt? Hieß es nicht sogar mal: Lesen gefährdet die Dummheit? Literatur klärt auf, erweitert den Horizont, und regt zum Nachdenken an. So finde ich, dass Jan Cole einen echt schönen Weg gefunden hat, hier zum Nachdenken anzuregen: Besser auf seine Umwelt zu achten, und vielleicht auch mal seinem nächsten zu fragen, was er braucht. Oder auch mal sich selber zu fragen, was man benötigt, um glücklich zu sein. Ich finde, Jan Coles Buch ist eins der Bücher, die glücklich machen. Weil sie aufwecken. „Was du nicht erwartest“ kommt auf meine ganz persönliche Highlightliste. Super geworden. Achso: ich würde mich über einen weitere Abenteuer von Nik und Maike freuen.

[Rezension] Jen Calonita – Twisted Tale – Elsas Suche

Elsa bzw. ihre Disney-Geschichte habe ich bisher noch nicht gesehen, aber ist mir durchaus ein Begriff. Nun fiel mir auch dieser Twistet-Tale Teil in die Hände.

Elsa und Anna wachsen getrennt auf. Beiden scheint im Unterbewusstsein klar zu sein: sie sind nicht alleine. Anna möchte in die Stadt Arendelle ziehen. Dort möchte sie eine Bäckerei eröffnen und nichts lieber als auf eigenen Füßen stehen. Aber da haben ihre Eltern strikt was dagegen. Anna soll ihnen erstmal weiter unter die Arme greifen in ihrer eigenen Bäckerei. So ist Anna sehr frustriert. Erst als in Arandelle sich die Ereignisse überschlagen, gelingt Anna unbemerkt die Reise in die Stadt.

Denn in Arandelle hat Elsa entdeckt, dass sie alles in Eis verwandeln kann. Da sie absolut geschockt darüber ist, flieht sie in die Berge und hinterlässt eine Eiswüste mitten im Sommer in Arandelle. In den Bergen versucht sie ihren Fluch, alles in Eis zu verwandeln, zu lösen. Das schafft sie aber nur mit der Hilfe von einer anderen jungen Frau: und die ist keine andere als Anna.

Elsas Suche als Titel zu wählen fand ich gelungen. Schließlich begibt sich Elsa nicht nur auf die Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch auf die Suche nach Annas Vergangenheit. Beide Frauen verbindet mehr als an das, woran sie sich erinnern können. Und das aus gutem Grund: denn Elsa hat schon einmal ihre Fähigkeit unkontrolliert benützt, und jemanden sehr geschadet.

Elsas Suche hat mich überzeugt. Die Charaktere, die hier ihre gerechten Rollen finden, kann man sich sehr gut vorstellen. Vor allem, was Olaf anbelangt. Ein sehr herziger Knopf. Es hat mich wie das Twisted Tale sehr gut unterhalten. Es fügt sich wunderbar in die Reihe Twisted Tales ein. Auch das Cover passt sehr gut auch zu den anderen Disney-Büchern. Unterhaltungsliteratur, aber eine gelungene.

[Rezension] Elizabeth Lim – Twisted Tale – Dunkle Schatten

Wer kennt die Geschichte von Mulan nicht? Zugegeben, sie ist eine der Disney-Geschichten, die ich sehr spät entdeckt habe. Sie gehört zwar nicht zu meinen Lieblingsgeschichten, aber ich mag sie dennoch recht gerne. Als Mulans Geschichte jetzt als Twisted Tales veröffentlicht wurde, musste auch dieser Band bei mir einziehen.

Ich denke, auf die übliche Mulan-Geschichte muss ich nicht weiter eingehen. In diesem Twisted Tale geht es vielmehr um Mulan, die ihren Captain retten muss. Mulan ist heimlich für ihren Vater in den Krieg gezogen. Was ihr Captain nicht weiß: dass Mulan eine Frau ist. Während ihr Captain nun im Kampf schwer verletzt wird, grämt sich Mulan durchaus, denn sie konnte ihren besten Freund nicht beschützen. Um ihn zu retten, begibt sich Mulan auf die Reise in die Unterwelt. Dort begegnet sie vielen fiesen Gestalten, denen sie sich stellen muss, um ihren Freund zu retten. Das Risiko: Wenn Mulan ihre Aufgaben nicht rechtzeitig ihre Aufgabe erfüllt, stirbt nicht nur ihr Captain Li Shang, sondern auch Mulan bleibt in der Unterwelt gefangen.

Zugegeben, es ist Unterhaltungsliteratur. Leicht zu lesen, und stückweit auch absehbar, dass es ein Happy End gibt. Trotzdem hat mir das Buch ganz gut gefallen, weil es vor allem so geschrieben ist, dass man sich gut vorstellen kann, in welcher Welt sich Mulan bewegt.Es ist ein Buch, das die Freundschaft in den Vordergrund stellt. Mulan muss nicht alleine kämpfen, ihre Freunde stehen ihr zur Seite. Auch das Cover passt super. Wer übrigens auf gutes Design bei Büchern steht, darf sich freuen: die Seiten im Buch haben einen schönen Druck, was sich gut ins grafische Gesamtpaket einfügt.

Es ist ein Buch für Disney-Fans, vor allem für die Mulan-Fans. Wer sich nicht stört, dass die Geschichte umgeschrieben wurde, darf hier beherzt zugreifen.

[Rezension] Gustaf Skördeman – Geiger

Stellan und Agneta Bröman sind Schwedens Vorzeigeehepaar. Stellan war jahrzehntelang ein bekannter und vor allem beliebter Fernsehmoderator. Seine Frau Agneta war seine liebevolle Ehefrau. Doch der Schein trügt. Gerade als die Kinder ins Auto steigen, bekommt Agneta einen Anruf, der als Inhalt nur ein einziges Wort hat: Geiger. Kaum fahren die Kinder vom Hof, holt Agneta eine Waffe und erschießt ihren Mann und flüchtet. Schnell macht der Mord an Stellan die Runde, und lange gilt Agneta als vermisst.

Als Sara Nowak von dem Mord hört, nimmt sie ihre private Ermittlungen auf. Sie war jahrelang mit den Kindern von Stellan und Agneta in Kontakt, und durfte mit den Kindern spielen. Saras Mutter Jane war die Haushaltshilfe der Bromans und so blieb über Jahre hinweg der Kontakt erhalten. Sara möchte ihren vermeintlichen Freundinnen etwas gutes tun und den Mord aufklären. Sie deckt jedoch Strukturen auf, die die Vorzeigefamilie an den Abgrund treibt. Stellan war leider doch nicht der Vorzeigevater, wie man es sich gewünscht hätte. So gibt es auch für Sara und ihre Freundinnen eine Horror-Nachricht nach der anderen und

Es ist eine Geschichte, die mich schwer beeindruckt hat, aber für mich auch einen Lerneffekt hatte. Geiger ist fast schon ein Spionagethriller. Das Leben der Familie Broman wird beeinflusst durch den Kalten Krieg. Welche Rolle hat die Regierung Schwedens im Rahmen des Kalten Krieges gespielt? Was haben alte DDR-Spione vor und nach der Wiedervereinigung mit der schwedischen Regierung zu tun, und wie fügte sich das Verhältnis zur NATO? Gustaf Skördeman hat hier auch ein Stück politische Geschichte aufgearbeitet. Allein die Fakten über den Fulda-Gap waren für mich neu und spannend aufbereitet. Besonders brisant fand ich die Rolle Schwedens gegenüber der Nato, die aktuell eine besondere Rolle spielt.

Für mich als Leser blieb bis zum Schluss jedoch die Frage offen, was mit Agenta ist. Die Flucht konnte man als Leser sehr schnell erkennen, dass sie nicht nur so verschwunden ist, sondern auf der Flucht ist und Dreck am Steck hat. Doch sämtliche Ermittler hatten für mich Tomaten auf den Augen, und es kam nie die Sprache auf Agneta als Täterin, die ihren Mann ermordet hat. Das lies mich etwas skeptisch zurück: ich konnte mir selbst mit viel Augen zu kneifen nicht vorstellen, dass man hier so ignorant und naiv sein kann.

Dennoch ein super spannendes Buch und für mich schon fast ein Highlight.

[Rezension] Tobias Bachmann – Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek

Despina Jones lebt bei ihrem Onkel Barbarossa. Dieser betreibt eine Bibliothek für okkulte Literatur. Barbarossa bekommt immer wieder mysteriöse Anrufe eines sogenannten Priesters, der auf der Jagd nach einem ganz bestimmten Buch ist. Während Barbarossa mit dem Priester telefoniert, fährt ein Motorradfahrer in die Auslage der Bibliothek. Als kurz darauf Despina zu einem Mord in einer Kirche gerufen wird, bei dem sich ein Mann selbst gekreuzigt hat, begibt sie sich mit der Hilfe von Barbarossa und ihrer Familie auf der Suche nach dem Täter. Der steckt tief im Okkultismus und der Fall wird blutig, gruselig und spannend.

Zugegeben, ich habe bei dem Buch einen Fall Richtung Sherlock Holmes erwartet aufgrund der Aufmachung des Buches. Das Cover ist wunderschön gestaltet und hat mich eher an Cosy Crime erinnert. Es finden sich fast alle Aspekte aus dem Buch auf dem Cover wieder. Etwas überrascht war ich von der Blutrünstigkeit des Falles. Allein die Eingangsszene hat durchaus eine gruselige Art und startet sozusagen mit einem Knaller, denn ein Mensch kreuzigt sich selbst.

Und doch: gerade deswegen hat mir das Buch gut gefallen. Es erhält seine Brisanz durch das ganze Buch hinweg, und entführt den Leser in eine düstere Welt, die auf mich faszinierend gewirkt hat. Es sind kirchliche Themen, aber auch Okkultismus und familiäre Zwiste eingearbeitet, die eine gute Mischung ergeben haben. Ab einem gewissen Grad war mir zwar klar, wer der mögliche Drahtzieher war, aber: der Umgang mit der Auflösung des Falles hat mich überzeugt.

Wer damit umgehen kann, dass ein Buch etwas blutiger ist, und auf eine etwas düstere Stimmung steht, darf hier beherzt zugreifen. Ich freue mich jedenfalls auf den Folgeband.

[Rezension] Ursula Poznanski – Elanus

Jona ist ein ganz besonderer Teenager. Er ist äußerst intelligent, und hat somit ein Stipendium an einer Privatuniversität ergattert. Doch der Einstieg in sein neues Unileben fällt ihm schwer. In seine Gastfamilie kann er sich schlecht integrieren, und an der Uni selbst macht er sich auch keine Freunde. Sein Prof hat keine Zeit für ihn und kommuniziert nur per Email mit ihm. Sein Schwarm Linda gibt ihm sehr unsanft einen Korb. Um Linda eventuell doch von ihm überzeugen zu können, schickt er seine Drohne auf Spurensuche, um eventuell etwas zu finden, mit dem Jona Linda doch von sich überzeugen zu können. Dabei sieht er Dinge, die nicht für seine Augen bestimmt sind. Und so gerät er in einen Strudel von Geheimnissen, die ihn fast das Leben kosten. Aber er findet auch Freundschaften, wo er sie überhaupt nicht erwartet hat.

Ursula Poznanski hat mit Elans wieder ein tolles Werk geschaffen. Ein Teenager wächst mit seinen Eigenheiten über sich hinaus. Jona hatte den richtigen Riecher mit seinem Verdacht, dass an dieser Uni etwas nicht stimmt. Trotz dass es ihm schwer fällt, sich für andere Menschen zu öffnen, gewinnt er mit Marlene und Pascal neue Freunde. Auch wenn es ihm manchmal recht schwer fällt, sich auf Menschen einzustellen, entwickelt er sich weiter.

Dieses Buch ist recht spannend geschrieben. Die Idee, eine Drohne auf die Jagd zu schicken, um Informationen zu erlangen, ist nicht neu. Aber sie wird hier jugendgerecht aufgearbeitet und in eine brisante Welt eingesetzt. Man mag über Kleinigkeiten hinweg sehen, wie z. B. die Sichtbarkeit einer Drohne, aber ich finde, das darf in einem Jugendbuch durchaus sein.

Mir hat das Zusammenspiel der Protagonisten und der Grundidee sehr gut gefallen. Jonas Entwicklung einer Drohne mit der passenden Software, aber auch seine persönliche Entwicklung hat mir sehr gut gefallen. Zwar frage ich mich, wie realistisch die Entwicklung der Geschichte – bis hin zum Showdown – ist, aber: muss man sich das fragen? Ich wurde jedenfalls gut unterhalten und hatte das Buch sehr schnell durchgelesen. Gerade wie alles zusammen hing: Gastfamilie, Universitätsverwaltung und Jonas Rolle: es gab eine gute Auflösung und es blieb durchaus spannend. Ein schönes Jugendbuch.

[Rezension] Jussi Adler-Olsen – Das Alphabethaus

Deutschland, 1944: zwei junge Männer stürzen im Osten über Deutschland mit ihrem Flugzeug ab. Schnell sind die Feinde ihnen auf der Spur, aber beide können fliehen. Sie landen mit einem Zug in Freiburg, wo sie in einem Sanatorium für verletzte Soldaten landen. Da sie sich nicht als Engländer outen wollen, nehmen sie die Identitäten von zwei deutschen SS Leuten an, und simulieren eine psychische Krankheit. Schnell merken die beiden, dass sie nicht die einzigen Simulanten sind. Diese Information birgt große Gefahren, denn auch die andren Simulanten trauen den zwei Briten nicht. Bryan gelingt alleine die Flucht, während James benebelt von Medikamenten zurück bleibt.

Jahrzehnte später wird Bryan nach Deutschland zu den Olympischen Spielen als ärztlicher Betreuer eingeladen. Nach anfänglichem Zögern will er die Chance nützen, um nach seinem alten Freund James zu suchen. Ihn hat immer bewegt, was aus James geworden ist. Doch damit weckt Bryan nicht nur alte Geister, sondern bringt auch seine Frau in mörderische Gefahr.

Dieses Buch hat mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt. Es beschreibt intensiv die Wirren des Krieges, und ist fast schon verstörend. So viele Geschichten schreibt ein Krieg, in dem die Menschen versuchen, irgendwie zu überleben. Man hat so oft von versteckten Menschen gehört, von unglaublichen Fluchtversuchen, die irgendwie gelungen sind. Aber so eine Geschichte wie sie Jussi Adler-Olsen beschrieben hat, hat ein schweres Gefühl hinterlassen. In der heutigen Zeit des Ukrainekrieges wiegt dieses Buch umso schwerer.

Ein Sanatorium, das schlimmste Medizinversuche an Menschen ausprobiert, Menschen foltert und fern von Menschenwürde ist: es ist ein grausamer Schauplatz. Es hat mich fassungslos zurück gelassen, und ich knabbere an diesem Buch. So eindringlich, persönlich, tiefgründig, aber auch schockierend und wachrüttelnd: Krieg darf nicht sein. Ein Krieg trägt faule Früchte, offenbart die schaurige Seite der Menschen. Jussi Adler-Olsens Buch „Das Alphabethaus“ offenbart einen kriegerischen Schrecken, der einen nicht los lässt. Bis zum Ende möchte man wissen, ob die zwei Freunde wieder zusammen finden, ob James überlebt hat. Was macht so eine gelungene Flucht mit dem einen und eine gescheiterte Flucht mit dem anderen? Wie geht man mit der Schuld des Krieges um?

Das Alphabethaus scheint ein sehr persönliches Buch zu sein. Der Vater des Autors konnte aufgrund seines Berufes sicherlich viel an Wissen beisteuern. Und das konnte man beim Lesen auch spüren. Es ist tiefgründig, abgründig, und doch: es bewegt. Gerade weil es auch in Freiburg gespielt hat, fand ich es sehr bildhaft. Wer den Schwarzwald und seine Geographie, die kleinen Ortschaften und die Umgebung kennt, wird sich ganz anders einfügen in dieses Buch.

So erschreckend es ist, es war ein sehr spannendes Buch. Nichts für zarte Nerven. Diese Geschichte wirkt, und zwar nach und heftig. Und doch: zur Mahnung eine klare Leseempfehlung.

[Rezension] H. G. Parry – Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep

Dieses Buch war mal wieder ein absoluter Coverkauf. Ausserdem mehrfach auf Bookstagram gesichtet musste dieses Buch sofort mitgenommen werden. Somit waren die Erwartungen ziemlich hoch. 

Charlie Sutherland hat Literatur studiert und kann das, was manch Bücherwurm gerne können würde: Buchcharaktere zum Leben erwecken und sie aus Büchern herauslesen. Das klingt erstmal ziemlich gut, schließlich kann man dann mit seinen Lieblingscharakteren viel mehr Zeit verbringen. Doch erwischt man nicht immer die netten Charaktere und so doch birgt es volles Risiko. Denn die einzelnen Charaktere geraten ausser Kontrolle, und flüchten. So wie Uriah Heep. Der widerum nimmt einen Job in der Firma von Charlies Bruder Rob an und bringt damit ziemlich viel durcheinander. 

Diese Welt, die hier die Autorin beschreibt, bzw. die Parallelwelt, in der sich die buchigen Charaktere bewegen, hat mir grundsätzlich schon gefallen. Aber ich bin ehrlich: ich hab das Buch nach der Hälfte abgebrochen. Und durch diese Hälfte habe ich mich nur durchgequält. 

Das Buch ist eine Mischung zwischen “Tintenherz für Erwachsene” und einer Hommage an Charles Dickens. Man sollte sich schon etwas mit Charles Dickens beschäftigt haben, und seine Geschichten kennen und mögen, wenn man zu diesem Buch greift. Die Autorin verweist auf so viele Charaktere, die ich – zugegeben – nicht ausreichend kenne. Zudem war für mich es zu sehr auf die Tintenreihe gemünzt (die ich übrigens für wirklich grandios halte), im Endeffekt fühlte sich dieses Buch für mich an wie “Tintenreihe meets Charles Dickens”. So war ich ständig am recherchieren, welcher Charakter warum und in welchem Zusammenhang mit den anderen Personen auftauchte.

Was mich ausserdem sehr gestört hat: ich mag es, wenn Charaktere Empathien hervorrufen. Ob positiv oder negativ. Aber Rob Sutherland ging mir mit seiner Genervtheit gegenüber seinem Bruder dermassen auf den Keks. Charlie konnte weder als Kind noch als Erwachsener akzeptieren, dass Charlie besondere Fähigkeiten hat, und empfindet es als Last, ständig auf ihn aufzupassen. Rob spielt sich als der große Aufpasser auf, als Erwachsener, und stellt Charlie zurück. Charlie ist schusselig, chaotisch und tollpatschig, aber erst sicherlich nicht dumm.

Die Punkte, dass man doch etwas Dickens-Wissen benötigt und Rob mir persönlich so unsympathisch war, hat mich das Buch abbrechen lassen. Es war irgendwie zäh, die Geschichte ging unnötige Umwege und kam nicht so recht auf den Punkt. Daher habe ich abgebrochen, und das Buch darf weiter ziehen. Vielleicht ist das Buch ja was für jemanden, der sich mit Dickens näher befasst hat und hier besser einsteigen kann.

[Rezension] Madita Winter – Mordlichter

Nordische Krimis haben ihren eigenen Charm für mich. Eine gewisse düstere Stimmung macht sich breit und hat ihren eigenen Charm.

Das gilt auch für das Hörbuch Mordlichter. Ein junger Mann trennt sich von seiner Gruppe und wird kurze Zeit später von seiner Familie als vermisst gemeldet. Anelie nimmt die Ermittlungen auf und erkennt schnell, dass das Verschwinden kein Einzelfall ist. Der Junge taucht zwar auf, und kann nur bedingt helfen. Die Spurensuche gestaltet sich aufgrund der Witterungsverhältnisse sehr schwierig. Wenige helle Stunden, die zur Spurensuche genützt werden können stehen einem erhöhten Schneefall entgegen. Tief im Wald findet Anelie ihre Spuren, und gerät dabei in die Fänge ihres Täters. Dank ihrer Kollegen und ihrer Schwägerin in spe kann sie den Täter stellen. Und der Täter kann einiges zu seinen Motiven erzählen. Denn die Motive sind vielschichtig.

Die Athmosphäre hat mir sehr gefallen. Es wird auf die Sorgen der Sami eingegangen, die ihre alte Kultur in Gefahr sehen. Zudem stimmt die Jahreszeit einen sehr auf die grausamen Morde ein. Viel Schnee und viel Dunkelheit verlangen den Einwohnern von Jokkmokk einiges ab. Aber doch führt der Zusammenhalt zum Erfolg, auch wenn es erst anders scheint.

Die Sprecherin Rebecca Madita Hundt fängt die Stimmung gekonnt ein. Ich habe gespannt gelauscht und habe das Hörbuch kaum ablegen können. Die Spannung spitzt sich entsprechend zu und macht dieses Hörbuch nicht nur zum Pageturner, sondern zum Kapitelturner. Hörenswert!

[Rezension] Walter Tevis – Der Mann, der vom Himmel fiel

Eine Frage, die die Menschheit schon lange fasziniert, ist die Frage, ob außerirdisches Leben existiert. Wenn es außerirdisches Leben gibt, wie finden wir es? Oder hat bereits das außerirdische Leben uns gefunden?

Dieser Frage ist der Autor Walter Tevis nachgegangen. Wie könnte eine Zusammenkunft aussehen? Sehen uns die Außerirdischen ähnlich, was unterscheidet sie von uns? Und welchen Effekt hat so ein Zusammentreffen, wenn nicht sogar zusammen leben?

In dieses Setting platziert Tevis den außerirdischen Thomas Jerome Newton. Dieser landet auf der Erde, um den Menschen zu helfen. Innerhalb von 5 Jahren hat er ein riesiges Vermögen aufgebaut. Ihm selbst und seinem Gespür für neuartige Technik umgibt eine gewisse Mystik. Schnell sind Kritiker und Zweifler vor Ort und durchleuchten Newtons Leben. Es fällt auf, dass er nicht so menschlich wirkt wie gedacht. Und so wird es für Newton sehr gefährlich.

Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von Weltuntergangsszenarien, wenn Außerirdische uns besucht haben. Das Überleben der Menschheit ist angezählt, der Planet wird spektakulär ja fast schon zerstört, oder in einen Zustand gebracht, der kaum ein Überleben zu lässt. Doch hier ist es ganz anders. Genau das reißerische Verhalten der Menschen, sich gegenseitig auszulöschen durch Kriege oder Umweltsünden hat Newton von seinem Planeten weggeführt. Ihn plagen die gleichen Probleme wie die heutigen menschlichen Probleme. So sucht er auf dem Planeten Erde um Hilfe, versucht die Menschheit vor ihren eigenen Fehlern zu bewahren. Zwar kann er der Menschheit einiges an Wissen vermitteln, und doch scheint er an der wichtigsten Frage zu scheitern: wie geht es weiter?

Gleichermaßen zeigt sich die Menschheit von ihrer wahren Seite: während die eine Seite versucht, das Beste aus der Situation zu machen, den Außerirdischen zu schützen und den eigenen Planeten vor dem Ende zu bewahren, treibt die andere Seite ihre eigenen Vorteile zum Schaden anderer voran.

Das Buch wurde 1963 das erste Mal veröffentlicht und ist als Neuübersetzung erschienen. Es hat mich sprachlos hinterlassen, wie aktuell dieses Buch ist, trotz seiner 59 Jahre. Tevis hält einem so gekonnt den Spiegel vor, so zeitlos, dass es in jede Generation passt. Äußere Einflüsse wie zwischenmenschliche Probleme sind damals wie heute ein wichtiges Thema. Sicherlich liest jeder in einem Buch etwas anderes, und doch habe ich viele Probleme wiedererkannt, die damals wie heute gelten. Wie offen sind wir für neues? Was machen wir mit unserer Willkommenskultur und was wird aus der kleinen runden Kugel, die wir unseren Planeten nennen?

Ein wirklich starkes Buch, das ohne Blockbuster auskommt, ohne Action. Es ist ein Buch, das auf den ersten Blick fast schnöde wirkt, und doch hat es mir sehr gefallen. Diese Geschichte kommt ohne Endzeitstimmung aus, und weckt sehr spezifisch auf.

Klare Leseempfehlung nicht nur für SciFi Fans!