[Sprecherinterview] Matthias Lühn

Heute darf ich euch einen meiner Hörbuch-Lieblingssprecher vorstellen. Matthias Lühn hat mich mit der Weitseher-Trilogie in den Bann gezogen. Die Art und Weise, wie er die verschiedenen Charaktere entwickelt hat, hat mir sehr gut gefallen. Lühn ist ausgebildeter Schauspieler, und lebt derzeit in Köln. Seine Tätigkeiten reichen von Theaterschauspieler zu Radio-und Hörbuchsprecher. 

Und ich durfte ihn im Rahmen der Verlagsvorstellung vom Ronin Hörverlag  mit Fragen löchern. 

Wenn Du wählen dürftest: welche Genres bevorzugst Du?

Fantasybücher liegen mir sehr. Das Lesen gehtleicht von der Hand, es gibt meist sehr interessante Charaktere und dieGeschichten machen richtig Spaß.

Gibt es Wunschprojekte?

Der Titel „Infinite Jest“ (Unendlicher Spaß) vonDavid Foster Wallace hat es mir sehr angetan. Nur gibt es den schon als Hörbuch…

Woran verzweifelt man als Hörbuchsprecher gerne? Z. B. Lispelnde oder stotternde Charaktere oder rauchige/hohe Stimmen?

Stimmlich setzt man sich die Herausforderungen ja weitgehend selber und bekommt auch ein Gefühl dafür, sich nicht zu überfordern und eine Figur nicht unfreiwillig komisch werden zu lassen. Was immer mitschwingt, ist die Sorge, die Stimmqualität konstant zu halten. Es geht nicht nur darum, jeden Aufnahmetag (auch über längere Zeiträume) gut durchzuhalten, sondern auch darum, dass die Anschlüsse passen und man morgens nicht plötzlich ganz anders klingt als am Abend zuvor.

Das, woran man als Sprecher aber wirklichverzweifeln kann, sind schlecht geschriebene Bücher. Nichts ist schlimmer alsunlogische Plots, hölzerne Dialoge und uninteressante Figuren.

Gerade bei Matthias Lühn bei derWeitseher-Trilogie von Robin Hobb fand ich die Entwicklung des Sprechers durch die drei Teile sehr spannend.
Wie beschäftigt man sich mit so einem Mammutwerk?

Viele tausend Seiten, so viele intensive Charaktere, die man ja auch während des Lesens bzw. Sprechens näher kennenlernt. Wie geht man damit um? Hat man da einen Schlachtplan?

(zusammen beantwortet)

Je länger und komplexer das Werk, desto wichtiger ist es, sich nicht allzuakribisch vorzubereiten. Wenn man ständig im Hinterkopf hat, was mit der Figur in 2835 Seiten noch alles passiert, verstellt man sich selber den Zugang. Ich selbst mache mir nur sehr selten Anmerkungen oder Randnotizen. Dadurch kann ich voll in die jeweilige Situation eintauchen und ganz darin aufgehen, auch wenn ich natürlich weiß, wo es am Ende hingeht.

In Bezug auf die handelnden Figuren versuche ich immer, den Charakter nicht zu stark zu führen, sondern vielmehr mich von ihm tragen zu lassen. Nur so bekomme ich die Chance, mich von den Protagonisten überraschen zu lassen und die Handlung lebendig zu halten.

Welche Rituale werden von Dir gepflegt? Gibt esirgendwelche Marotten?

Ich verbringe morgens eine ganze Weile damit, meine Stimme aufzuwärmen. Ich singe dann laut und produziere jede Menge Schnalz-,Klick-, Brumm- und Schmatzlaute. Dazu kommt eine ausgiebige Mund- und Zungengymnastik. Das ruft oft ziemlich verwunderte Reaktionen hervor. Besonders wenn ich in der U-Bahn zum Studio fahre …

Welches war bisher für Dich persönlich dasHighlight im Ronin-Verlagsprogramm bzw. Hörbuch-Highlight (allgemein) ever?

„Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch ist ein Hörbuch, dass zu meinen All-Time-Favourites gehört. Es wimmelt nur so von tollen Figuren, deren Ausgestaltung mir viel Freude gemacht hat.

Und von der Grundidee her hat mich die SciFi-Reihe„Krieg der Klone“ von John Scalzi begeistert. Entgegen des recht plattklingenden deutschen Titels wird ein absolut faszinierendes Szenariobeschrieben: die Transformation des Bewusstseins von alten, erfahrenen Soldaten in Klon-Körper ihres jüngeren Selbst. Im Original heißt die Reihe „Old Man’s War“,was besser beschreibt, worum es eigentlich geht.

Welches Deiner Hörbücher würdest Du einem besonders ans Herz legen, wer Deine Stimme noch nicht kennt?

Ich denke, das wäre auch ein Band aus dem „Locke Lamora“Zyklus. Ich glaube, bei Band 3 „Republik der Diebe“ geht es stimmlich wirklichturbulent zur Sache und man hat als Hörer großen Spaß.

Lieber Matthias Lühn, vielen Dank, dass du meinen Fragen Rede und Antwort gestanden bist, und ein Dankeschön an den Ronin Verlag für’s Vermitteln. 🙂

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[Rezension] Rick Riordan – Die Abenteuer des Apollo 2 – Die dunkle Prophezeihung

Ich mag es ja, wenn man einen Mehrteiler hintereinander weglesen kann. So kam es, dass ich recht schnell mit diesem zweiten Teil der Apollo Reihe durch war. Und es hat sich gelohnt. 

Apollo alias Lester Papadopoulus reist mit seinen Freunden Leo und Kalypso weiter nach Indianapolis, um dort das nächste Orakel zu finden. Dort weilt Commodus, mit dem Apollo eine nicht so tolle Geschichte verbindet. Und so muss Lester alias Apollo die Stadt Indianapolis vor dem bösen römischen Kaiser Commodus befreien, der die Stadt an sich reißen will und das Orakel vor Apollo beschützen soll. Gleichzeitig entpuppt sich das Orakel bei Indianapolis als Familienmitglied, und das ist nicht das einzige Familienmitglied, dem sich Apollo überraschenderweise stellen muss. Kann Apollo Indianapolis retten und sich somit Ziel nähern, wieder göttlich zu werden?

In diesem Teil von Rick Riordan ist Apollo nach wie vor ein hochnäsiger pubertierender Möchte-gern-Gott, aber seine Art und Weise zu nerven, lässt sich besser aushalten als in Teil 1. Er nörgelt und beschwert sich nach wie vor, aber er zeigt auch stellenweise Einsicht und scheint sich zu bessern. Seine Freunde helfen ihm natürlich weiter, und Apollo kann sich auch auf neue Helfer freuen, die ihm in einem magischen Haus ein sicheres Versteck bieten, bis sich der Feind nähert. So muss Apollo wieder mal herausfinden, wer auf seiner Seite steht und wer nicht. 

Irgendwie konnte ich mir unter den Blemmier nicht wirklich was vorstellen, ausser komische Blechdosen à la Mr. Potatoe Head aus Toy Story. Gut dass man das googlen kann, und ich wenigstens aufgeklärt wurde. Das muss ich dieser Reihe echt hoch anrechnen: Diese Reihe vermittelt spielerisch Wissen um die römischen, aber auch griechischen Mytholgien, und ist somit prima nicht nur für Jugendliche geeignet. Ich zücke oft genug das Internet, um gewisse Sachen nachzulesen. Der Bildungseffekt geht hier nicht verloren. Super!

Besonders gefallen hat mir der kopflose Geist, der mit dem magischen Ball kommunizieren konnte. Irgendwie war mir der Charakter so sympathisch, dass ich gerne von ihm hören würde. 

Für mich ist der zweite Teil wesentlich gelungener als der erste Teil. Die Charaktere werden mir sympatischer, und ich freue mich definitiv auf die weiteren drei Teile. Klare Leseempfehlung für Percy Jackson Fans!

[Rezension] Rick Riordian – Die Abenteuer des Apollo 1 – Das verborgene Orakel

Nun, wir kennen das alle: man hat was angestellt, und die Eltern bestrafen einen. So ergeht es auch dem griechischem Gott Apollo. Der hat seinen Vater Zeus nicht zum ersten Mal dermaßen verärgert. Und so findet sich Apollo in einer Mülltonne wieder. Bisher hatte Zeus seinem Sproß wenigstens noch die ein oder andre Superkraft und die Unsterblichkeit gelassen, doch diesmal ist Zeus besonders verärgert, und so muss Apollo  sich mit seiner neuen Identität zufrieden geben: nämlich die des Lester Papadopoulus. Und diese Identität ist nun so gar nicht Apollo-Like: nämich ein pickeliger und pummeliger Jugendlicher, und hat genau null Superkräfte geschweige denn seine Unsterblichkeit. Als ihn dann Meg aufgabelt, ist er einerseits froh, dass ihm jemand hilft, andererseits fühlt er sich dennoch allein gelassen. Denn all seine Freunde aus dem Camp Half-Blood haben wenigstens noch einen Teil ihrer Kräfte im Gegensatz zu Apollo. Und nun soll er gegen einen alten römischen Gott antreten, der alle fünf Orakel gegen sich aufbringen will. Kann Apollo mit jedem seiner Freunde rechnen, oder befindet sich ein Verräter darunter?

Der Carlsen Verlag hat hier wieder ein tolles Jugendbuch in sein Programm aufgenommen. Wer Percy Jackson liebt oder Magnus Chase, dem sei diese Reihe um den Gott Apollo ans Herz gelegt. Denn selbst Percy Jackson hat eine kleine Rolle bekommen. 

Das Buch ist flüssig zu lesen. Die Charaktere: nun… ich muss zugeben, mit Apollo konnte ich nicht richtig warm werden. Sein Verhalten war mir zu sehr auf nervigen pubertierenden Teenager gepolt. Aber ich kann darüber hinwegsehen, zumal ich vermutlich mit dem Ü30 nicht die Hauptzielgruppe der Reihe um Apollo bin. Dennoch finde ich die Idee ganz gut. Denn mein Bildungsstand hinsichtlich römischer Diktatoren und griechischer Götter kann definitiv noch verbessert werden, und warum nicht auf amüsante Weise wie in dieser Buchreihe. 

Derzeit sind Teil 1 und 2 im Carlsen Verlag erschienen, geplant sind fünf Teile. 

Frohes Lesen. 

[Verlagsvorstellung] Ronin-Hörverlag – Nach den Aufnahmen

So, heute geht es in den dritten Teil von der Verlagsvorstellung des Ronin-Hörverlags. Heute geht es darum, was nach der Stoffauswahl passiert. Das Hörbuch ist fertig, nun geht es ansKorrektur hören:

Seid ihr da auch selber mit involviert? Was ichja echt toll finde ist, dass ihr euch auch Blogger – wie mich 😉 – mit insBoot holt. Jeder hört was anderes und findet vermutlich auch andere Dinge.

Auf jeden Fall! Daher machen wir auch zwei Testhör-Durchgänge.Direkt nach dem Schnitt folgt die erste Runde. Sehr akribisch, mit absoluter Ruhe, Kopfhörer und offenem Skript lauschen unsere bezahlten Testhörer ganz genau hin und notieren jede kleine Abweichung vom Text, jeden Versprecher und jedes Nebengeräusch.

Der dabei entstehende Error-Log wird anschließendabgearbeitet und das Hörbuch dann gemastert und mit einem Intro und Outro versehen.

Anschließend holen wir uns immer einen Fan/ Blogger/Auslosungsgewinner ins Boot. Derjenige ist dann sozusagen die letzte Instanzund sollte uns bei evtl. noch vorhandenen Fehlern informieren. Bei der Korrektur kann ja mal was durchrutschen oder die Technik spielt uns einen Streich oder so…

Wie viel Zeit vergeht ungefähr zwischen dem Korrekturhören und der finalen Entscheidung, das Werk in die Presse zu geben?

Sobald die Rückmeldung kommt, dass dasHörbuch jetzt fehlerfrei ist, geht es sofort los. Grafikdaten, gemasterte Audio-Dateienund die Metainfos liegen schon bereit und werden dann direkt versendet.

Wieviel Zeit vergeht, bis die Hörbücher als CDsund als digitales Exemplar verfügbar sind?

Das ist ein leidiges Thema in der Hörbuchproduktion. Wenn wir ausliefern, warten meistschon viele Fans ganz zappelig auf den Release. Ebenso wie wir! Auf den SocialMedia ist ja meist mitzuverfolgen, wie lange wir schon an einem Titel arbeiten.Vom Lizenzerwerb bis zum Upload der auslieferungsfertigen Dateien beim Presswerk und bei den digitalen Portalen wie Audible, BookBeat oder den Streamingdiensten sind ja schon einige Monate vergangen. Aber alle werden nochmal auf eine finale Geduldsprobe gestellt, denn bis der Titel tatsächlich im Download, im Streaming und als CD zu haben ist, vergehen mindestens zwei, meist eher drei oder vier Wochen. So lange dauert es leider, bis die Portale das Hörbuch online gestelltund das Presswerk die CDs ausgeliefert hat.

Vor einigen Jahren habe ich ein Hörbuch gehört, dass derAutor selber eingesprochen hatte. Für mich persönlich ein totaler Flop. Habtihr auch schon schlechte Erfahrungen mit Sprechern bzw. Autoren gemacht? Gab esauch schon Autoren, die eure Sprecher abgelehnt haben?

Ja, klar, das gibt es schon. Wir haben ein paar Mal neue Sprecher ausprobiert, deren Hörproben gut klangen und gut zu einem bestimmten Stoff gepasst haben. Leider hat sich dann im Studio rausgestellt, dass die Fehlerquote so hoch oder die Konzentration so schlecht war, dass wir beim Schnitt halb die Wände hoch gegangen sind. Das macht man dann halt genau einmal…

Autoren ihre Werke selber einlesenlassen, machen wir generell nicht. In der Regel können das Profisprecherwirklich deutlich besser. Es ist ein Riesenunterschied, ob ein Autor eine Stunde Live-Lesung in der Buchhandlung bestreitet oder ob ein 30-Stunden-Fantasy-Epos vertont werden soll. Die Anforderung ist eine völlig andere.

Mit der Vergabe der Hörbuchlizenz geben die Autoren auch die Wahl des Sprechers vertrauensvoll in unsere Hände. Zwar gibt es schon mal Wünsche seitens der Autoren, aber das letzte Wort bei der Besetzung haben wir. Und bislang gab es da auch noch keine Klagen…

Vielen Dank, dass ich euch vorstellen darf ❤

Wir bedanken uns ganz ganzherzlich bei Dir für die tollen Fragen!!!

Und hier seht ihr das tolle Team vom Ronin Verlag: 

[Rezension] Carl Wilckens – 13 Das Tagebuch (Hörbuch)

Godric End wächst mit seiner Schwester Emily auf. Die Mutter ist bei Godrics Geburt verstorben, der Vater lässt die zwei von einem Lehrer ausbilden und ist für die Kinder auch nicht da. 

Als die Stadt, in denen die Geschwister leben, von Piraten angegriffen werden, werden die beiden getrennt. Godric wird wie magisch auf das Piratenschiff gezogen, und muss um sein Überleben kämpfen. Im Schiffsrumpf leben viele Junkies, die nach Pearl süchtig sind, jeder trachtet dem andren nach Leben und Besitz, um selber überleben und seine Sucht finanzieren zu können.

Während seiner Reise findet Godric ein Tagebuch. Er ist gefesselt von dessen Inhalt und versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat. Denn der Marionettenmann schläft nicht. 

Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt. Es ist sehr düster gehalten, und Wilckens schreckt nicht davor zurück, Protagonisten sterben zu lassen, wenn es ins Bild passt. Godric End will nicht der Held sein, zu dem er gemacht wird. Vielmehr sieht er sich als grausamer Mörder, der versucht hat, in seiner Situation schlichtweg zu überleben. 

Die Geschichte des Marionettenmanns, der sehr den zweiten Teil der Geschichte prägt, ist nicht minder düster, und wird sehr geprägt von Alchemie und Zauberei. 

Carl Wilckens hat hier ein unvergleichliches Buch geschaffen. Blutdurst gepaart mit dunkler Magie, inklusive Spannung, Cliffhanger und passenden Wendungen, ist hier richtig. 

Und Marco Sven Reinbold als Sprecher: er könnte mir die Packungsbeilage einer Schmerztablette vorlesen, und ich würde immer noch gebannt seiner Stimme lauschen. Diese tiefe und rauhe Stimme gepaart mit dem düsteren Werk Carl Wilckens toppt es einfach. 

Eines meiner Jahreshighlights. 

Blutdurstig, düster, magisch. 

Hier geht es zum Hörbuch:

https://www.ronin-hoerverlag.de/dreizehn-das-tagebuch/

[Rezension] Ulrich Hub – Das letzte Schaf

Ach, was für ein knuffiges Buch! Das letzte Schaf von Ulrich Hub.

Es ist soweit: Das Jesus-Kind ist geboren, und die frohe Botschaft ist verkündet. Und so erscheint ein helles Licht und die Schafhirten folgen dem hellen Licht ins Tal und besuchen das kleine Kind in der Krippe. Doch die Hirten haben die Schafherde allein zurück gelassen. Und nun sind die Schafe erschrocken. Was sollen sie nur ohne die Hirten machen? Sie sind doch so neugierig und wollen das kleine Kind sehen. Doch wie kommen sie zur Krippe? Wo ist die Krippe? Und so begeben sich die Schafe auf eine kleine Reise zum Kind, und erleben viele Überraschungen, aber auch viele Abenteuer.

Diese Weihnachtsgeschichte ist für Kinder erzählt, aber aus der Sicht der Schafe. Wie erging es den Schafen, als sie allein auf der Wiese zurück gelassen wurden? Und welche Gedanken haben sich sicherlich nicht nur die Schafe gemacht, was dieses Kind bedeutet für die Welt? War es sicher ein Junge oder bestand die Möglichkeit auf ein Mädchen? Welchen Namen hatte es? Und welches Geschenk ist diesem besonderen Kind würdig?

Ich finde die Umsetzung sehr gelungen. Man kann es als reines Kinderbuch lesen, aber es sind einige nette Spitzen eingebaut, die sicherlich der ein oder andere Erwachsene auch versteht. So greift der Autor den Wahn der Geschenkewahl auf oder das Auftreten der Menschen.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, aber auch zum Lachen. Die Schafe sind wirklich sehr amüsant, und man kann sich gut vorstellen, dass es in einer Schafherde so zugehen könnte.

Auch die bildhafte Gestaltung der Schafe ist sehr gelungen!

Und die Essenz dieses Buches: haltet zusammen! Frohe schafige Weihnachten!

[Rezension] Greg Walters – Bestias (Hörbuch)

Was haben eine stotternde Magiestudentin, ein intelligenter Barbar, ein Straßenkind und ein Narr gemeinsam? Vermutlich wird man sich sagen: „Nicht viel!“

Und doch landen alle vier Protagonisten in der Arena von Kol! Während der Narr Magnus sein Geld damit verdient, die Menschenmassen in der Arena bei Laune zu halten, wird der Barbar bei einer Reise gefangen genommen, und an die Gladiatorenschule in Kol verkauft. Tarl flüchtet, weil er beim Klauen erwischt wird, und versteckt sich bei einem alten Sklavenhändler, der aufgrund Tarls Fähigkeiten das große Geld wittert und Tarl verkauft. Und zu guter letzt die arme Ceres: Während sie in der berühmten Magiusschule aufgrund ihres Stotterns gehänselt wird, wird sie dermaßen wütend und verbrennt einem Mitschüler aus Rache den Kopf, und so muss Ceres ihre Strafe in der Arena ableisten.

Als Tarl von einem Unbekannten den Auftrag bekommt, ein geheimes Relikt zu besorgen, kann er mit Ceres, Magnus und Balger aus Kol flüchten. Nun müssen die vier nicht nur miteinander klarkommen, sondern müssen gemeinsam gegen die Bestien bestehen. Diese mögen wie Pila klein und flauschig wirken, doch der Schein trügt. Können die vier den Bestien entgegen treten, gegen die fünf Bestienartern bestehen und das geheime Relikt finden?

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Greg Walters hat mich positiv überrascht. Denn anfangs konnte ich mir nicht ganz vorstellen, wie eine magische Welt in die Welt der römischen Gladiatoren passen sollte. Klar, man kämpfte schon damals gegen Tiere, die nun wirklich Bestien sein konnten, ebenso wie der Mensch. Aber dazu noch Magie? Abgefahren. Nun: ich wurde eines besseren belehrt.

Die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Wer wäre nicht genervt wie Ceres von Hänseleien, und wünscht seinen Feinden manchmal sogar die Pest an den Hals. Magnus: in die Rolle des Narrs gedrängt, der die andren Menschen bei Laune halten soll, während man selber nicht weiß, wie man seine eigenen Probleme lösen soll? Balger, reduziert auf seine barbarischen Muskeln, ohne den manch kluger Schachzug nicht funktioniert hätte? Und Tarl, der Bestienflüsterer! Warum soll schon ein Straßenjunge mit Tieren umgehen können und sich mit Gefühlen verständigen können?

Die Mischung ist einfach klasse: die Umgebung, die Spannung, die Charaktere und das Abenteuer. Ich hab mich amüsiert, ich war gespannt, ich hatte Kopfkino, ich hab gehofft und ich will zum Teufel noch eins wissen, wie es weiter geht!!!

Lieber Ronin-Verlag, lieber Greg Walters und lieber Marco Sven Reibold: ihr habt eure Hausaufgaben mal wieder gemacht!

 

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[Rezension] Stefanie Lasthaus – Die Saphirtür

Als ich vor kurzem in der Bibliothek gestöbert habe, ist mir dieses Buch sofort in die Augen gestochen. Dieses Cover, das in Blautönen gehalten ist, und in der linken unteren Ecke goldene Akzente hat, hat mich sehr angesprochen.

Isla Hall bekommt eine Anstellung bei den  Austins auf Silverton. Dort darf sie sich um die kleine Ruby kümmern. Doch dieses Kind wirkt recht traurig für ein Kind ihres Alters. Denn sie kann nicht mehr träumen. Isla wundert sich und geht der Sache auf die Spur. Wie kann ein Kind nicht mehr träumen? Als sie sich auf die Suche nach einer Lösung macht, öffnet sich eine Saphirtür in Rubys Zimmer, und für Isla beginnt ein Abenteuer, das nicht nur für sie lebensgefährlich wird. Denn dort trifft Isla auf den verschollenen Bruder Jeremy von Ruby. So deckt Isla nicht nur Rubys traumloses Geheimnis auf, sondern auch ein gut behütetes Familiengeheimnis in Silverton.

Was passiert jede Nacht mit unseren Träumen? Welche Schlafphasen durchleben wir und was träumen wir jede Nacht? Diese Fragen hat Stefanie Lasthaus gekonnt aufgenommen. Fachliches Wissen gepaart mit einem phantastischen Abenteuer hat sie eine wirklich schöne Geschichte um Ruby gesponnen, die Schlafprobleme hat. Vor ca. 50 Jahren war die Wissenschaft noch nicht ganz so modern, wie wir es heute kennen, und so muten manche wissenschaftliche Versuche etwas gruselig an, wie man den Schlaf erforscht hat.

Die Protagonisten wirken sauber ausgearbeitet, die Handlungsstränge logisch.

Mir hat der Charakter Hannah am besten gefallen. Auch wenn sie sich rebellisch verhält, ist sie sehr loyal gegenüber Isla, und versucht das Leben von Ruby mit vielen Kleinigkeiten zu verbessern.

Rubys Arzt hingegen fand ich sehr unsympathisch. Leider hat er Ruby zu Testzwecken missbraucht, um seine eigenen Probleme zu lösen.

Ein sehr schönes Buch.

[Verlagsvorstellung] Ronin Hörverlag – Die Stoffauswahl und die Vorbereitung

Heute geht es weiter mit der Vorstellung des Ronin Hörverlags. Ich habe mich immer gefragt, wie das Team um Stanley die Art der Hörbücher aussucht. Solche Fragen hat mir Katharina für die heutige Runde vorbereitet. Seid gespannt!

Nach welchen Kriterien sucht ihr euch die Hörbücher aus? Müsst ihr euch auf Hörbücher „bewerben“? Oder kommen die Verlage auf euch zu?

In der Regel sucht Stanley sich selbst Titel aus, die er gerne produzieren möchte. Das sind in erster Linie Bücher, die ihm selbst gut gefallen und die ins Verlagsprogramm passen (schwerpunktmäßig Thriller, SciFi-Storys und Fantasygeschichten). Dann nimmt er Kontakt zu den Verlagen, Agenten oder Autoren auf. Als kreativer Kopf von Ronin hat er das Verlagsprofil entwickelt und stößt mit einem zielsicheren „Riecher“ auf genau die richtigen Titel fürs kommende Programm. Für diese Titel werden dann die Hörbuchlizenzen angefragt und passende Konditionen ausgehandelt. Es kommen manchmal auch direkte Anfragen von Autoren. Titelvorschläge seitens der großen Publikumsverlage gibt es eigentlich nicht. Nur auf den Messen bekommt man den einen oder anderen Tipp.

Wie kommt ihr mit den Sprechern zusammen? Gibt es einen Pool an Sprechern, auf den ihr zugreifen könnt? Oder kann sich der Sprecher auf ein bestimmtes Hörbuch „bewerben“?

Mittlerweile haben wir einen Pool von Sprechern, mit denen wir am Liebsten arbeiten. Bei ihnen ergeben eine professionelle Einstellung und Arbeitsweise, Effizienz in der Sprecherkabine, eine tolle Interpretation des Textes, realistische Gagenvorstellungen (wir sind eben keiner von den Großverlagen), ein entspanntes Arbeitsklima und Spaß bei den Aufnahmen die für uns ideale Mischung. Entscheidend ist aber vor allem, dass die Stimme zum Stoff passt. Meist hört Stanley schon beim ersten Lesen eines Skripts im Kopf, wer das sprechen wird…

Wer stellt die Texte zur Verfügung? Gibt es ein spezielles Skript für die Hörbücher?

Wir fordern von den Verlagen bzw. Agenten/Autoren ein offenes Datenformat des Skripts an, so dass wir den Text in ein gut lesbares Layout bringen können und ggf. auch noch Anmerkungen/ Markierungen einfügen können. Manche Sprecher wollen z.B. eine ganz bestimmte Schriftart und -größe oder wir stellen uns an einer bestimmten Stelle eine besondere Stimme oder einen Effekt vor und notieren das dann. Ansonsten halten wir uns aber vollständig an die Romanvorlage und nehmen ausschließlich ungekürzte Komplettlesungen auf.

Zu den Hörbüchern selber:

Die Auswahl des Hörbuches steht fest, ebenso die Auswahl des Sprechers/in. Wie geht es nun weiter? Wo sprechen die Sprecher ihre Hörbücher ein? Habt ihr als Hörbuchverlag auch die technische Möglichkeit, die Hörbucher einsprechen zu lassen?

Die meisten Hörbücher werden bei uns im hauseigenen Studio eingesprochen. Wir haben ein absolut hochwertig ausgestattetes Studio mit schalldichter Sprecherkabine. Gerade die Verbindung aus dem Aufnahmeprozess und der anschließenden Weiterverarbeitung der Daten bis zur fertigen CD macht uns als Verlag aus. Es ist professionelle Handarbeit im besten Sinne, geht aber immer ausgesprochen familiär zu, was viele Sprecher sehr schätzen.

Oder arbeitet ihr hier mit professionellen Studios zusammen?

Natürlich gibt es auch Sprecher, die nicht zu uns kommen können. Dann greifen wir auf Partnerstudios zurück. In Berlin, wo ja viele Starsprecher sitzen, die die Stadt nicht verlassen, arbeiten wir hauptsächlich mit „Sound of Snow“ zusammen. Tommi Schneefuß hat täglich die ganz großen Namen der Hörbuchbranche vorm Mikro und liefert uns dann Audiodateien per WeTransfer.

Vermutlich haben die Sprecher auch ihr eigenes Equipment. Habt ihr da gewisse Anforderungen an die Technik?

Sprecher bei sich zu Hause im „Kellerstudio“ aufnehmen lassen, machen wir nur in absoluten Ausnahmefällen. Dann müssen das technische Equipment und die Abschirmung des Raumes aber wirklich hervorragend sein, um unseren Qualitätsansprüchen zu genügen.

Klar: langes Hörbuch, längere Einsprechzeiten. Als Beispiel für den Zwillingseffekt von Tal M. Klein, gesprochen von Stefan Lehnen:

Wie lange sitzt so ein Sprecher an einem Hörbuch?
Leider ist der Zwillingseffekt ein denkbar schlechtes Beispiel, denn Stefan Lehnen ist einfach unglaublich schnell in der Arbeit. Er ist megakonzentriert, liest extrem präzise und verspricht sich ganz selten. Sagenhafterweise kommen so um die 100 Normseiten (à 1500 Zeichen) am Tag zusammen. Die Regel sind aber 60 bis 80.

Ich vermute, er wird das Buch wohl nicht nur einmal lesen und einsprechen müssen? Auch gewisse Proben und Versprecher müssen ja eingeplant werden.

Also die „Proben“ erledigt der Sprecher tatsächlich für sich und kommt dann ins Studio, wenn er sich gut vorbereitet fühlt. Der Grad der Vorbereitung ist tatsächlich sehr unterschiedlich: Manche Sprecher lesen den Text vorab 2 bis 3-mal durch und machen sich ganz viele Notizen und Markierungen. Andere dagegen lesen nahezu ad hoc und ganz ausm Bauch raus, weil sie den ersten Impuls der Interpretation nicht verpassen wollen. Wir stellen uns da auf die Sprecher ein und versuchen, nicht allzu viel einzugreifen. Natürlich muss man in der Regie einen Blick darauf haben, dass der Vortrag nicht irgendwann langweilig wird oder der Sprecher „overactet“, also übertreibt. Aber in der Regel gibt es bei den Profis nicht viel zu kritisieren. Man muss eher drauf achten, regelmäßig Pausen zu machen, kleine Versprecher nicht zu verpassen und die unterschiedlich angelegten Stimmen verschiedener Charaktere im Ohr zu behalten. Bei Versprechern setzt man einfach nur einen Marker in der Aufnahmedatei, lässt den Sprecher wiederholen und korrigiert das hinterher beim Schnitt.

So, in der nächsten Folge wird mir Katharina Rede und Antwort stehen, was nach den Aufnahmen passiert.

Und ich habe läuten hören, dass manch Hörbuchsprecher das ein oder andere erzählen möchte.

Wer den Ronin Hörverlag mal auf seiner Homepage besuchen möchte, darf dem Link zum Ronin Hörverlag folgen. (Folgt dem weißen Kaninchen!! ;)).

[Rezension] Walter Moers – Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr

Walter Moers: wer kennt ihn nicht als Schöpfer von Käptn Blaubär oder das kleine Arschloch? Doch Walter Moers ist viel mehr: nämlich ein Genie (für mich jedenfalls)! Und das ist allein schon Grund genug, seine Bücher regelmäßig zu verschlingen. Die Zamonienreihe hab ich bisher am liebsten gemocht, und ich habe schon entdeckt, dass es ein Weihnachtsbuch gibt namens „Weihnachten auf der Lindwurmfeste – oder warum ich Hamoulimepp hasse“. Und im Frühjahr wird der Bücherdrache erscheinen. Ick freu mir so!

Aber zurück zum eigentlichen Buch Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr. Vor ein paar Wochen als Hörbuch angefangen, muss ich leider sagen: Moers muss man lesen. Anfassen. Riechen. Sehen. Fühlen. Bewundern. Die Bücher muss man durchblättern, und die Illustrationen anschauen, die so liebevoll und detailliert gestaltet sind. Erst recht, wenn Moers seine Bücher selber illustriert. Doch für dieses Buch hat sich Moers wunderbare Unterstützung ins Haus geholt. Lydia Rode leidet seit vielen Jahren am sogenannten chronischem Erschöpfungssyndrom, und nahm zu Walter Moers Kontakt auf, da ihr seine Bücher sehr geholfen haben. Und so haben beide die Geschichte um Prinzessin Insomnia gesponnen, die im Gegensatz zu Lydia Rode nächtelang nicht schlafen kann.

Doch was macht man, wenn man ständig wach ist und unter Schlafentzug leidet? Man fängt an, Dinge zu sehen, die dann eher nicht da sind, wenn man schlafen kann. Z. B. einen alptraumfarbenen Nachtmahr namens Havarius Opal. Und dieser Nachtmahr entführt die Prinzessin Dylia in ihr eigenes Gehirn, das sie auf abenteuerliche Weise entdecken: in typischer Moers-Manier. Man findet hier viele Hinweise auf Hildegard von Mythenmetz, ohne dass dieser sich in den Vordergrund drängt. Aber auch kunterbunte Minigeisterchen, die um einen Herumschweben.

Während ich das Buch gelesen habe, habe ich mich teilweise selber entdeckt. Wenn man partout nicht einschlafen kann, gehen einem die verrücktesten Dinge durch den Kopf. und es gibt nächte, in denen man Schafe zählt, oder sich 1000 andere Dinge überlegt, wie man einschlafen kann. So werden aus Wörtern Anagramme gebildet, die man wieder entziffern kann, und ich war mehrfach am Schmunzeln und Staunen, welche Gedanken sich Moers hier gemacht hat. Welche Abenteuer kann man in seinem eigenen Gehirn erfahren und wie wird man seine eigenen Albträume los, um wieder einschlafen zu können.

Und ich hoffe für mich, dass ich meinen gesunden Schlaf so behalten kann, wie er ist. Wieder mal ein tolles Buch!