[Rezension] Richard Matheson – Ich, der letzte Mensch

An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass ganz viele tolle Bücher an mir vorbeigezogen sind, ohne es zu merken. Da bin ich dann froh, wenn es Buchhandlungen wie das Otherland in Berlin gibt. Auch in diesem Fall hat mich das Team mit einem Überraschungspaket gerettet, das auch das Buch „Ich, der letzte Mensch“ von Richard Matheson enthielt. Ich brauchte kurz, um die Geschichte mit dem Film „I am Legend“ zu verbinden, zu dem ich zum Schluss ein paar Worte verlieren werde. Aber erstmal vielen Dank ans Otherland für dieses tolle Buch! Volltreffer.

Wir schreiben das Jahr 1986. Robert Nevilles Beschäftigungen drehen sich rein um sein Überleben: Der Erhalt seiner Wohnung, die Festung gleicht; und der Beschaffung von Lebensmitteln. Denn die Welt, in der er lebt, gleicht nicht mehr der, die wir kennen. Ein Virus hat die Menschheit verändert, und sie zu Bestien der Nacht gemacht. Es sind Blutsauger, die nachts umherstreifen, um Neville, der der letzte verbleibende Mensch ist, zu einem der ihren zu machen. So vergeht Tag um Tag, Woche um Woche, in denen Robert Neville nicht nur die Bestien umbringt, sondern sich sehr viel auch mit sich selber auseinander setzen muss. Ein Highlight seines Alltags ist, als er einen verwilderten Hund trifft, um den er sich kümmert. Als eines Tages Ruth auftaucht, nimmt sein Leben eine ganz andere Wendung.

„Ich, der letzte Mensch“ ist ein Buch, das einen in der aktuellen Situation nachdenklich werden lässt. Was, wenn dieses Virus wesensverändernde Auswirkungen hätte? Oder sogar im Körper drastische Änderungen vornehmen würde, die man selber nicht mehr unter Kontrolle hätte? Oder wenn der Mensch zu einer noch weiter entwickelteren Spezies voranschreiten würde?

Das Buch hinterlässt ein ungutes Gefühl. Wir verändern Gene, parallel verändert sich die Natur stetig, und wir werden von Krankheiten geplagt, die sich scheinbar immer wieder verschlimmern. Kann der Mensch etwas dagegen tun, oder wird hier bewusst eine neue Generation Mensch heran gezüchtet?

Nun kurz noch zum Film: Ich liebe Filme mit Will Smith, für mich ist er einer der größten Schauspieler, die es gibt. Auch den Film „I am Legend“ finde ich als solches super gemacht. Jedoch war ich – mal wieder – erschrocken, wie sehr der Film vom Buch abweicht. Die meisten Kernelemente sind in beiden Geschichten enthalten, jedoch werden die meisten Ideen im Film anders umgesetzt, und das ist für mich sehr schade, da dass Buch wirklich viel hergibt.

[ Bloggersonntag] Sich selbst präsentieren

Am heutigen Thema vom Bloggersonntag hatte ich ein Weilchen zum Knabbern. Sich selbst präsentieren. Das ist ein Thema, was mich – unabhängig von meinem Blog – durchaus im Alltag beschäftigt. Wie tritt man auf, und welche Wirkung hat man? Und das ist für mich gar nicht so einfach zu beantworten.

Das gilt auch fürs Bloggen. Es gibt so viele wundervolle Blogger, sie so viele Stilrichtungen erfolgreich leben; da seinen eigenen Stil zu finden, ist ganz schön schwer. Einerseits sieht man, womit andere Erfolg haben, aber den Stil einfach kopieren, finde ich persönlich uncool. Da muss man eine eigene Mischung finden, ohne sich zu verstellen. Denn ich finde, man sollte sich so präsentieren, wie man ist: authentisch. So empfinde ich mich als schrullige Büchersammlerin, die schrecklich gerne Kaffee und Tee trinkt, zu fast keinem Buch nein sagen kann, und immer wieder ihre Bücherstapel umdekoriert, weil sie sich für kein System entscheiden kann. Ich bin eine Leserin, die sich in einem Bücherstapel verlieren kann, und die Welt draußen vergisst, oder das Essen, oder den Haushalt… Da bin ich ja schon ganz froh, wenn meine bessere Hälfte mir das Buch wegnimmt, und mich vor die Tür schickt.

Aber was macht mich und meinen Blog sonst noch aus? Nur Renzensionen sind auf Dauer langweilig, und spiegeln sie mich wieder? Bestehe ich nur aus Büchern? Nein. Denn ich liebe Zaubershows, bin gerne mit Freunden draussen, ich mag Grünzeug, und ich geh eigentlich auch ganz gerne ins Kino. Das soll sich auch auf meinem Blog bald vermehrt wieder finden. Vielleicht habt ihr das schon bemerkt: manchmal kommt es etwas magischer daher. Auch mancher Beitrag dreht sich nicht direkt um ein Buch. Sondern wird sich auch in Zukunft um Buchhandlungen, Verlage, Autoren drehen. Und um zauberhafte Kulturveranstaltungen.

Aber eins sei gewiss: Vorerst werde ich euch mit Videos verschonen, denn irgendwie gruselt es mich vor meiner eigenen Stimme. Und ich hätte das Gefühl, ich würde mich komplett verzetteln und völlig planlos ins Leere schwafeln.

Jedenfalls: seid am Besten ihr selbst, wenn ihr bloggt. Lest das, worauf ihr Lust habt. Zeigt das von euch, womit ihr euch wohl fühlt. Und bleibt euch treu.

[Rezension] Inspector Swanson und das Schwarze Museum

BloggerfotoChef Inspector Donald Sutherland Swanson hat endlich mal Urlaub und verreist mit seiner Ehefrau und seiner Tochter nach Schottland. Während der Zugfahrt nach York mit seiner Familie wird ein Fahrgast ermordet. Die Notbremse wird gezogen und ein Geistlicher verlässt den Zug, um die Polizei zu verständigen. Swanson untersucht die Leiche und folgte den Geistlichen zum nächsten Dorf. Dort musste er aber feststellen, dass weder die Polizei benachrichtigt wurde, noch der Geistliche auffindbar war. Somit beginnt der Inspector seine Untersuchung und seine Familie reiste weiter. „[Rezension] Inspector Swanson und das Schwarze Museum“ weiterlesen

[Rezension] Hilkje Hänel – Letzter Ausweg Tempelhof

Berlin, Tempelhofer Feld: In einem Flüchtlingslager erhängt sich eine Frau, nachdem sie ihre Kinder ermordet hat. Bei den Ermittlungen werden die Kriminalbeamte Gode und Lepke nicht nur von der Lagerverwaltung blockiert. Auch Polizeiintern scheint einiges schief zu laufen: Die Polizisten sollen die laufenden Ermittlungen einstellen, der Fall wäre geklärt; auch bei weiteren Morden im Flüchtlingslager gestalten sich die Ermittlungen als sehr schwierig. Doch der Abteilungschef ordert unter der Hand weitere Ermittlungen an, da er wie sein Team gewisse Zusammenhänge sieht. Bei den Recherchen decken die Kommissare einen Skandal auf, der bis in die höchsten Führungsränge der Polizeibehörde reichen. Dubiose Anweisungen werden gegeben, die rechtlich kaum haltbar sind, und auch Zweifel hegen, ob es mit rechten Dingen zu geht.

Es hat zugegebenerweise etwas gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde. Während das Ermittlerteam anfangs etwas im Trüben fischte, nahm das Buch erst nach der Hälfte an Fahrt auf. Da konnte ich auch schon erahnen, wer in den Skandal verwickelt war.

Hilkje Hänel hat in diesem Berlin-Krimi wirklich schwere Kost verarbeitet. Die Bedingungen für Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager sind hart. Dabei stellt es auch die Mitarbeiter von Flüchtlingsheimen und -lagern auf eine harte Probe. Es sind so viele Schicksale zu verarbeiten, bei denen man als Leser Anteil nimmt. Der Bedarf nach Hilfe ist groß. Und doch gibt es viele Fälle von Überforderung und Korruption. Für die betroffenen Flüchtlinge, die von dem Missbrauch persönlich betroffen waren, waren so verzweifelt, dass sie keine Hilfe fanden, so dass sie als letzten Ausweg den Freitod wählten.

Mich machte es betroffen, dass die Schuldigen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Und doch lässt die Autorin einen Hoffnungsschimmer aufkeimen, da sie einen Journalisten auf den Fall ansetzt, der darüber berichten kann, und die Machenschaften der Politiker und ranghohen Polizeibeamten ans Licht bringt.

Eine Geschichte, die brisant aufgrund der noch aktuellen Themen ist. Eine Geschichte, die sehr persönlich ist, da die Ermittler Gode und Lepke Platz für ihre persönliche Vergangenheit finden. Eine Geschichte, die die persönliche Tragik der Ermittlerin Alexandra Gode weiter erzählen wird, die als Kind mißbraucht wurde. Das Verhältnis zwischen Gode und ihrem Psychologen ist interessant zu beobachten. So kann sich anfangs Gode gut auf ihn einlassen, jedoch wächst die Skepsis mit weiteren Sitzungen.

Zwar hat der Anfang des Buches mich hadern lassen, weil ich nicht gleich in die Geschichte fand. Und doch fand ich das Buch insgesamt recht gut. Wer wie ich schon recht oft in Berlin war, erkennt manche Stelle in Berlin und kann sich diese bildhaft vorstellen. Der Titel „Letzter Ausweg Tempelhof“ bezieht sich jedoch „nur“ auf den Standort des Flüchtlingslagers. Ermittelt wird in ganz Berlin, was dann wiederum zum Cover passt.

„Letzter Ausweg Tempelhof“ ist der zweite Krimi der Autorin Hilkje Hänel. Dieser ist in sich abgeschlossen; aber gewisse Erlebnisse aus dem ersten Teil, gerade was das Ermittlerduo Gode/Lepke anbelangt, werden erwähnt, aber auch erklärt.

[Bloggersonntag] Vernetzung, Wertschätzung und Freundschaften

Unabhängig vom Bloggen fand ich es schon immer spannend, sich mit anderen Buchlingen auszutauschen. Man redete über gelesene Bücher, über Neuerscheinungen, ging zu Lesungen, oder lieh sich gegenseitig die Bücher aus.

Diese Gemeinschaft fand ich schon immer sehr toll. Was gibt es schöneres, als über sein Hobby zu plauschen? Letztes Jahr durfte ich das erste Mal auf drei Buchmessen. Es ist immer hilfreich, den Menschen auf der anderen Seite kennen zu lernen. Manch Email, über die man sich gewundert hat, klingt auf einmal gar nicht mehr so blöd, wenn man die Stimme bzw. Redeart des anderen hört.

In vielen persönlichen Gesprächen habe ich auch ein bisschen hinter die Kulissen schauen können. Viele Dinge wie der Alltag eines Verlages, Buchhandlung oder Autoren kann man sich nicht immer so genau vorstellen, wenn man nicht fragt. Selbst bei den Bloggern gibt es unterschiedliche Herangehensweisen.

Und ich finds einfach toll, wenn man auf Buchmessen und Festivals unterwegs ist, neue Leute kennen lernen kann, oder Freund- und Bekanntschaften vertiefen kann, die man in der Vergangenheit knüpfen konnte.

Was gibt es schöneres, als sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, um Autoren und Verlage zu unterstützen? Für mehr miteinander statt gegeneinander!

[Rezension] Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper

Im Jahr 1888 werden im Stadtteil Whitechapel Morde an Frauen verübt. Frauen, die Nachts alleine durch die Straßen laufen. Sie werden nicht nur einfach getötet, sondern ihnen werden Organe entnommen. Damit kommt der Verdacht auf, dass der Mörder medizinisches Wissen besitzen muss oder sogar ein Arzt war. Zusammen mit seinem Assistenten Constable Peter Phelps versucht Chef Inspector Donald Sutherland Swanson die Mordfälle aufzuklären. Die Ermittlungen führen die beiden zu Oscar Wilde und Lewis Carroll. Inspector Swanson ging auch ungewöhnliche Ermittlungswege. Er holte sich Hilfe bei Frederick Greenland, denn jeder bisherige Hinweis führte zu keiner Lösung und gefundene Beweismittel verschwanden spurlos. Auch die regelmäßigen Streifengänge der Polizei im Stadtteil Londons brachten nichts. Bei den Ermittlungen führt auch eine Spuren in das britische Königshaus.„[Rezension] Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“ weiterlesen

[Rezension] Andrzej Sapkowski – Das Erbe der Elfen (Hexer-Saga 1)

Endlich hat mich auch eine weitere Saga in ihren Bann gezogen. Während viele bereits im Hexer-Fieber sind, hat es bei mir etwas gedauert. Zugegeben, die Serie konnte mich noch nicht ganz überzeugen, so dass ich zum Buch gegriffen habe.

Als auf Cintra überfallen wurde, muss die junge Thronerbin Cirilla, kurz Ciri, fliehen. Es sind Gerüchte im Umlauf, dass kein geringerer als der Hexer Geralt von Riva Ciri versteckt. Und tatsächlich, die Thronerbin befindet sich im Kreise machtvoller Zauberer, die sich um Ciri zanken. Jeder möchte die Erbin für seine eigenen Ränkespiele verwenden. Geralt benötigt die Hilfe seiner ehemaligen Gefährten, um Ciri vor den Häschern zu beschützen.

Das erste Buch der Hexersaga war für mich teilweise sehr aufschlussreich. Ich hatte Dinge, die mir in der Serie nicht klar waren, im Buch weit aus besser verstanden. Und doch hatte das Buch seine Tücken. Die Welt ist sehr episch, und hat sehr viele Charaktere, die man erstmal in Zusammenhang bringen muss. Leider fehlt hier eine Übersicht, bzw. eine Liste der beteiligten Protagonisten. Die Karte im Bucheinschlag ist jedoch sehr hilfreich.

Die Welt als solches gefällt mir sehr gut, und meines Erachtens in die High Fantasy einzuordnen. Geralt und Ciri als Hauptprotagonisten gefallen mir sehr gut. Die Reihe besticht durch ihre Tiefe, die Intrigen, und die schönen Beschreibungen.

Eine Reihe, bei der ich es nicht erwarten kann, weiter zu lesen. Doch ich werde von ganz von vorne anfangen, und mit den Vorgeschichten starten, was ich jedem empfehlen kann.

In diesem Sinne: Toss a coin to your Witcher!

[Rezension] Neal & Jarrod Shusterman – DRY

Wie geht man mit einer nationalen Krise um, die durch eine Wasserknappheit ausgelöst wird? Diese Frage haben sich die Brüder Neal & Jarrod Shusterman gestellt.

In Kalifornien gibt es kein Wasser mehr. Die Wasserhähne geben keinen Tropfen mehr ab. Das führt dazu, dass in den Supermärkten sämtliche Getränke und Eis innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sind. Denn niemand weiß, wann und ob das Wasser zurück kommt, und wieviel da kommt. Die Katastrophenhilfe lässt auf sich warten. Und so sind selbst die ergatterten Wasservorräte knapp, und schnell aufgebraucht. Wohl dem, der sich an die Notfallregelungen gehalten hat, und Vorräte gebunkert hat. So hat auch Keltons Familie sich vorbereitet, und Lebensmittel und Getränke zuhause. Das zieht natürlich erstmal den Neid der Nachbarn auf sich. Keltons Vater verteidigt die Vorräte gewaltsam, und ist nicht bereit zu teilen. Kelton selber sieht das aber anders, und spielt der Nachbarstochter Alyssa Wasser zu.

Alyssa Eltern machen sich auf den Weg, um am Strand bei den Versorgungsmaschinen Wasser zu ergattern, und lassen Alyssa mit ihrem Bruder allein. Als die Eltern jedoch nicht zurück kommen, machen sich Alyssa und ihr Bruder mit Kelton auf den Weg, um die Eltern zu finden. Unterwegs treffen sie auf eine neue Gefährtin. Jedoch gestaltet sich die Suche nach den Eltern sehr schwierig, und die Jugendlichen flüchten in die Berge, um in Keltons Notfallbunker unterzukommen. Wird das gelingen?

Dry ist eins der Endzeitszenarien, die einen besonders gruseln. Wasser ist ein Grundbedürfnis, ohne Wasser geht nichts. Kein Kochen, keine Wäsche, und da der Körper aus ca. 70% Wasser besteht, kann der Mensch eher ohne Essen klar kommen als ohne Wasser. So ist die Panik groß der Menschen in Kalifornien. Die Moral der Menschen sinkt innerhalb kürzester Zeit drastisch, Überfälle sind an der Tagesordnung. Jeder ist sich selbst dem nächsten, nur wenige halten zusammen.

Das Szenario, das die Brüder Shusterman aufgegriffen haben, gefällt mir. Hier geht es ums nackte Überleben. Es wird mit harten Bandagen verhandelt. Viele Situationen sind sehr beängstigend, und halten der Gesellschaft den Spiegel vor. Gerade in Zeiten der Corona-Krise mag man sich gar nicht ausdenken, was aus menschlichem Verhalten wird, wenn die Krise sich weiter zuspitzt.

Dennoch konnte mich Dry nicht ganz überzeugen. Es ist sehr detailliert beschrieben, und doch konnte mich die Stimmung nicht ganz einfangen. Ein letzter Hauch Spannung fehlte mir. Deswegen gibt es einen Punkt Abzug.

[Rezension] Anika Decker – Wir von der anderen Seite

Rahel Wald erwacht aus dem Koma, und muss sich zurück ins Leben kämpfen. Ein Nierenstein und eine Skepsis haben sie ins Koma verfrachtet, da sie ein multiples Organversagen hatte. Viele Dinge wie Laufen und Essen muss sie neu erlernen. Die Kondition ist nicht mehr so wie vor ihrem Koma, und so geht nicht alles so schnell wie sie es gerne hätte. Der Frust ist hoch, denn sie ist selbständige Drehbuchautorin, und es wird bereits auf ihr nächstes Buch gewartet. So setzt Rahel sich selber unter Druck, muss dabei aber erfahren: Gesund werden benötigt seine Zeit.

Unterstützt wird Rahel von ihrem besten Freund Kevin und ihren Eltern, ebenso von vielen Ärzten und Pflegekräften. Doch von einem fehlt ihr die Unterstützung: von ihrem Freund Olli. Da dieser mit einem Besuch zögert, wird Rahel misstrauisch. Je mehr sie sich regeneriert, umso deutlicher beschleicht sie das Gefühl, dass die Beziehung nicht mehr so ist, wie sie sich das wünscht.

Rahel muss einige Tiefschläge einstecken. Manch Kollege wendet sich von ihr ab, manche Geshäftsbeziehung zerbricht, manch Freund zieht sich zurück. In ihrer Krankenakte gibt es manche Fehldiagnose, und der Heilungsprozess ist anstrengender, als sie gehofft hat. Und doch: Rahel findet in dieser Ausnahmesituation manch heilende Wirkung. Sie weiß, wer im Notfall zu ihr hält, und wer nicht. Und was sie wirklich will.

Anika Decker hat in ihrem Buch „Wir von der anderen Seite“ Teile ihrer eigenen Vergangenheit verarbeitet. Sie selber hatte eine Nierenbeckenentzündung, die in einer garstigen Sepsis endete. Decker konnte hier ihre eigenen Erfahrungen verarbeiten. Die Autorin beschreibt, wie es ist, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Leben geworfen zu werden. Das Leben der anderen draussen geht weiter. Und man selber sitzt auf der anderen Seite, und kann nur zu schauen, wie Freunde arbeiten gehen, und private Unternehmungen erleben. Man selber sitzt da, und muss mit seinem Körper einen Stand erarbeiten, der es zulässt, selber am öffentlichen Leben wieder teilzunehmen.

Dieses Buch ist einerseits sehr schonungslos, was den Heilungsprozess anbelangt. Nicht jedes Pflegepersonal behagt einem, nicht jede Diagnose ist endgültig oder zu 100 % richtig. Auch wenn man aus dem Krankenhaus rauskommt, ist man automatisch vollständig geheilt, sondern es geht weiter, auch wenn es lange dauert. Manche Freund- und Partnerschaft überlebt so einen Ausnahmezustand nicht. Selbständige tragen Existenzängste mit sich, die Rechnungen müssen gezahlt werden. Und doch zieht die Autorin das beste für sich und ihre Hauptprotagonistin heraus. Manchmal ist es Zeit, das auszusortieren, was einem nicht gut tut. Manchmal lernt man durch Zufälle neue Leute und neue Dinge kennen.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es lies sich flüssig lesen, und lies einen nachdenken, aber auch lachen. Jeder, der mal im Krankenhaus war, wird seine eigene Geschichte erzählen können. Man ist in einer eigenen Welt, mit manchem Klinikpersonal kann man, mit dem anderen nicht. Mit manchen Patienten hält man Kontakt, mit den anderen nicht.

Auch Rahels Eichhörnchen, das sie immer wieder sieht, findet sich auf dem Cover wieder. Es ist abstrakt dargestellt, fast verzerrt. Und diese verzerrte Wirklichkeit, die man in einer, ja fast schon reduzierten Welt im Krankenhaus erlebt, spiegelt sich auch im Titel wieder. „Wir von der anderen Seite“ trifft es wirklich gut.

Das böse Virus

In den letzten Wochen spitzte sich die Situation um das neue Grippevirus Covid-19 immer mehr zu. Und wenn man mich nach meiner Meinung fragt, sind wir längst nicht auf der Zielgeraden. Das Grippevirus rafft viele Leben dahin, und man kommt sich vor wie im schlechten Film. Hamstereinkäufe, panische Falschaussagen, Diebstahl von medizinischen Produkten. Manch Dystopie kommt mir da in den Sinn. Gefolgt von heftigem Kopfschütteln über Coronaparties, Menschen, die trotz Ausgangssperren und Warnungen immer noch rausgehen, als wäre nichts gewesen. Auf dem Samstagsmarkt waren sooo viele, die versucht haben, so gut es eben geht, Abstand zu halten. Und doch war da ein älterer Herr, der sich mit einer auch nicht mehr so jungen Frau unterhielt, dass er das schon packen würde. Sein Mut ehrt ihn, vielleicht hat er auch in seinem Leben schon viele Krisen erfolgreich gemeistert. Aber Covid-19 ist eine Krise, die nicht zu verachten ist. Das Pflegeheim in Würzburg ist für mich derzeit ein Spiegel der Situation: man weiß nicht genau, woher das Virus kam, und doch sieht man, wie schnell es um sich greifen kann. Neun Tote, weitere Infizierte, die sogar auf der Intensivstation liegen, und über 20 Pflegekräfte, die in Quarantäne bleiben müssen, weil sie vermutlich positiv getestet sind. Das sind 20 Pflegekräfte, die fehlen! 20 Menschen, die trotz des Risikos ihren Job gemacht haben. Denen die Hand gehalten haben, als sie Angst bekommen haben. Angst davor, alleine zu sterben, Angst, die entsteht, wenn man keine Luft mehr bekommt, Angst davor, was aus der geliebten Familie wird.

Mein Vater hatte Leukämie, und zum Schluss Lungenkrebs. Seine größte Angst war zu ersticken, weil die Lunge nicht mehr funktioniert. Meinem alten Hausarzt wurde ein Lungenflügel entnommen. Ich kenne so viele unzählige Menschen, die Risikopatienten sind, weil ihre Organe nicht mehr so funktionieren, wie sie sollen. Oder die Krebs haben, bzw. hatten. Vielen Menschen sieht man es nicht an, ob sie gefährdet sind, oder nicht, manche wissen es sogar erst, wenn es zu spät ist.

Deshalb bleibe ich zuhause, so gut es geht. Ich gehe alleine in die Natur, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt. Ich habe Skype eingerichtet, dass ich mit Freunden Videotelefonieren kann. Ich habe Briefmarken zuhause, so dass ich oldschool eine Postkarte oder einen Brief schreiben kann. So weit es geht, kaufe ich beim lokalen Einzelhandel ein. Bei vielen Buchhandlungen wie das Otherland, Hammett, die Bakerstreet Buchhandlung oder Zaiser: alle bieten Lösungen an. Der PeTea Store in Stuttgart bereitet euch einen Tee To Go vor, oder liefert euch den Tee in Stuttgart nach Hause.

An alle, die den Groschen noch nicht fallen hören haben! Bleibt mit eurem Arsch zuhause! Macht den Frühlingsputz, macht mit eurer besseren Hälfte ein Candle-Light-Dinner zuhause, der Kinoabend geht auch von zuhause aus. Schaut eure DVD Sammlung an, vielleicht könnt ihr sogar mal die Zeit nützen, um auszusortieren. Fragt eure Nachbarn, wie ihr ihnen helfen könnt. Vielleicht wohnt ja auch jemand älteres bei euch im Umkreis, dem ihr mit dem Gassi gehen helfen könnt, Einkäufe erledigen, oder sonstiges. Seid kreativ!

Vielen Künstlern, Soloselbstständigen geht es weit aus schlechter als uns. Da alle Kulturveranstaltungen abgesagt wurden, und es vorerst auch bleiben, stehen sie vor dem Nichts. Es ist nicht absehbar, wann Schauspieler, Techniker, Musiker, usw. wieder arbeiten können. Sie sind nun auf staatliche Hilfen angewiesen. Aber wir können auch helfen: wir können zumindest fragen, wie man Kleinverlage, Buchhandlungen, Künstler, usw. helfen kann!

Jeder, der zuhause bleibt, hilft Leben retten. Wer sich Mühe gibt, dem wird auch nicht langweilig. Lasst uns wieder kreativ sein, und denen unter die Arme greifen, die Hilfe benötigen.

#stayathome